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Internet-Zeitung des Papageienschutz-Centrums Bremen e. V.

EU diskutiert Importstopp für Wildvögel

Die EU berät diese Woche über ein Importverbot für Wildvögel. Damit folgt sie einer gemeinsamen Deklaration von weit über 200 Tier- und Naturschutzverbänden aus aller Welt. Die EU ist mit Abstand der größte Abnehmer von sog. „Ziervögeln“ und importiert jährlich über eine Million Tiere. Der Handel ist nicht nur ein immenses Tier- und Artenschutzproblem, sondern birgt auch erhebliche Gesundheitsgefahren wie die in Asien grassierende Vogelgrippe. Deutsche Artenschutzorganisationen kritisieren, dass das grün geführte Umweltministerium einem Importstopp für Wildvögel eine Absage erteilen will, während andere EU-Staaten bereits Zustimmung signalisieren. „Es ist reine Heuchelei, einheimische Vögel durch europäische und deutsche Gesetze vor Fang und Handel zu schützen, aber der Plünderung von Wildvögeln in Entwicklungsländern keinen Riegel vorzuschieben. Höchste Zeit, dass die EU dem Beispiel anderer Industriestaaten wie den USA, Kanada und Australien1 folgt und die unverantwortlichen Importe verbietet“, so Daniela Freyer von PRO WILDLIFE.

Im EU-Umweltministerrat am 10. März wird sich der belgische Umweltminister Bruno Tobback für ein Importverbot für Wildvögel aussprechen. PRO WILDLIFE, einer der Initiatoren der Kampagne, und weitere Verbände fordern Bundesumweltminister Trittin auf, den Antrag seines belgischen Kollegen doch noch zu unterstützen. „Dies ist eine historische Chance: Die EU ist verantwortlich für 92% der Vogelimporte2 und muss dem Raubbau endlich entgegentreten. Zugleich könnte sie so Vorsorgemaßnahmen für den Schutz der Bevölkerung ergreifen“, betont Freyer.

Wegen der größten Vogelgrippe-Epidemie aller Zeiten gilt in der EU derzeit noch ein Importverbot für Vögel aus acht asiatischen Ländern – allerdings endet dies am 30. September 2005. Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnte bereits, dass die asiatische Vogelgrippe eine weltweite Epidemie auslösen könnte, der auch unzählige Menschen zum Opfer fallen könnten. 2002 grassierte in der deutschen, holländischen und belgischen Geflügelindustrie ein Vogelgrippe-Erreger, 30 Millionen Tiere wurden damals getötet. Um Menschen und Nutztiere vor Ansteckung durch Ziervögel zu schützen, schreibt die EU theoretisch 30 Tage Quarantäne für importierte Vögel vor, die Praxis sieht jedoch anders aus.

Die meisten nach Europa importierten Vögel kommen aus Asien, gefolgt von Afrika. Der Öffentlichkeit ist kaum bewusst, dass ein Großteil der hierzulande in Zoogeschäften angebotenen Tiere nach wie vor aus freier Wildbahn stammt: Denn während die „Europäische Vogelschutzrichtlinie“ den Fang heimischer Vogelarten verbietet, ist der Plünderung der exotischen Vogelfauna in Entwicklungsländern für europäische Käfige kaum eine Grenze gesetzt. Nur ein Bruchteil der gefangenen Vögel kommt zudem lebend in Europa an: So sterben bereits 40 bis 66% der Afrikanischen Graupapageien bereits im Ursprungsland beim Fang mit Netzen und Leimruten, bei Zwischenhändlern und Exporteuren sowie bei tagelangen Transporten in überfüllten Kisten.

Der Handel stellt für viele exotische Vogelarten eine erhebliche Bedrohung dar, doch die Schutzbestimmungen der EU reichen nicht aus: Zahlreiche Arten sind völlig ungeschützt, andere nicht effektiv genug, weil Schutzmaßnahmen immer erst dann ergriffen werden, wenn es bereits zu spät ist. Die USA hingegen haben bereits vor 12 Jahren den Handel mit Wildvögeln weitgehend gestoppt und damit schätzungsweise 8,5 Millionen Tiere gerettet. Auch in der EU gab es mehrfach Ansätze, den verlustreichen Handel zu unterbinden: Das EU-Parlament forderte bereits 1991 einen Importstopp. Schweden und Dänemark verbieten bereits die Haltung wildgefangener Vögel. Holland verabschiedete ein Einfuhrverbot, das allerdings mit Hinblick auf den gemeinsamen EU Markt bisher nicht in Kraft ist. „Die EU muss dringend ein einheitliches Einfuhrverbot für Wildvögel schaffen – Deutschland als einer der größten Abnehmer sollte hier eine Vorreiterrolle übernehmen“, so die PRO WILDLIFE Sprecherin.

Quelle: Pro Wildlife, 10.03.2005

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