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Internet-Zeitung des Papageienschutz-Centrums Bremen e. V.

Einzigartige Vogelart stammt aus der „Alten Welt“

Wissenschaftlern ist es nun gelungen, die Frage nach der ursprünglichen Herkunft des etwa 60 bis 70 cm langen und fast ein Kilogramm schweren Hoatzins, einer einzigartigen Vogelart in Südamerika, zu klären. Dieser eigenartige Vogel, der äußerlich einem Hühnervogel mit auffälliger Federhaube ähnelt, stellt auf Grund seiner anatomischen Merkmale eine eigene Ordnung in der Vogelwelt dar. Der Hoatzin ist die einzige bekannte Vogelart, die über ein ähnliches Verdauungssystem verfügt, wie man es sonst nur bei den Wiederkäuern unter den Säugetieren findet. In ihrem ungewöhnlich großen Kropf verdauen die pflanzenfressenden Hoatzins ihre Nahrung mit Hilfe von Bakterien vor, bevor sie in Magen und Darm weiter verarbeitet wird. Eine weitere Besonderheit sind die Krallen an den Flügeln der Küken, mit deren Hilfe sie im Geäst klettern. Im Verlauf der weiteren Entwicklung der Jungvögel bilden sich diese Krallen meistens wieder zurück. Bisher galt die heutige Heimat der Hoatzins auch als ihr Ursprungsort, doch Fossilienfunde der Hoatzin-Vorfahren aus Afrika und Europa belegen nach Angaben der Wissenschaftler, dass diese Vogelart aus der sogenannten „Alten Welt“, die Europa, Afrika und Asien umfasst, stammt. Bei der Auswertung der Funde ergaben sich auch Hinweise darauf, dass die Vögel in Europa früher ausgestorben sind als in Afrika. Grund für das Aussterben der Hoatzins war nach Angaben der Forscher die Einwanderung zahlreicher neuer Tierarten aus Asien nach Europa, zu denen auch auf Bäumen lebende Raubsäuger gehörten. Diese wurden vor allem den Nestlingen der in offenen Nestern brütenden Hoatzine zum Verhängnis. Südamerika galt hingegen als vergleichsweise sicherer Lebensraum, so dass die eigenartigen Vögel dort überleben konnten. Dies bezeichnet eine an den Untersuchungen beteiligte Wissenschaftlerin als „ein weiteres eindrucksvolles Beispiel dafür, dass die südamerikanische Vogelfauna zahlreiche Reliktformen enthält, die einst weiter verbreitet waren.“

    Quelle: „Schräger Vogel: Ein ‚Wiederkäuer‘ mit Krallenfingern“, der Standard, 02.02.2014 (http://derstandard.at)

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