Papageienschutz aktuell-news

Internet-Zeitung des Papageienschutz-Centrums Bremen e. V.

Intelligenz bei Papageien und Rabenvögeln nachgewiesen

Allgemein gelten Papageien und Rabenvögel als die Vogelgruppen, die über die meiste Intelligenz verfügen. Wissenschaftler der Universität Wien konnten dies in einem Experiment, das sie mit dem Kea und der Neukaledonischen Krähe durchführten, nachweisen. Der Kea, ein großer Papagei, der in freier Wildbahn nur entlang des neuseeländischen Alpenkammes vorkommt, ist als neugieriger Vogel bekannt, der mit Vorliebe fremde Objekte inspiziert und zerlegt. Während die Neukaledonische Krähe üblicherweise bestimmte Objekte wie beispielsweise kleine Stöcke oder Blattstücke  als Werkzeuge  zur Futterbeschaffung einsetzt, wurde dieses Verhalten bei wildlebenden Keas bisher noch nicht beobachtet. Ziel des Experimentes, das die Wiener Forscher gemeinsam mit der zoologischen Abteilung der Universität Oxford durchführten, war der direkte Vergleich der beiden Vogelarten im Bezug auf Flexibilität und Effizienz in ihrem Handeln. Das Forscherteam konfrontierte  sowohl die Papageien als auch die Krähen mit einem viereckigen Plexiglaswürfel, dessen Seitenwände den Vögeln jeweils einen anderen Zugang zu einer im Inneren befindlichen Belohnung ermöglichten. Die Tiere konnten an einer Schnur ziehen, die um die Belohnung gewickelt war, ein Fenster mit einem hakenförmigen Hebel öffnen, die Belohnung mit einer Murmel, die sie in eine gebogene Kugelbahn werfen mussten, von der Plattform im Inneren des Würfels werfen oder einen Stab in eine Öffnung schieben und so die Belohnung heraus schieben. Die Entscheidung, welche Aufgabe sie zuerst in Angriff nehmen wollten, wurde den Vögeln selbst überlassen. Nachdem die Vögel jeweils eine Lösungsmöglichkeit erfolgreich angewendet hatten, blockierten die Forscher den Zugang anschließend, um herauszufinden, wie schnell sich die Tiere eine neue Strategie aneignen konnten. Von jeder der beiden Arten schaffte es jeweils nur ein Tier, alle vier Aufgaben zu lösen. Für die Papageien erwies sich der Gebrauch des Stabes als Werkzeug als schwierigste Lösung. Nach Angaben der Wissenschaftler war dies vorauszusehen, da Keas in der freien Natur normalerweise keine Werkzeuge verwenden. Darüber hinaus hatten sie auch große Mühe, mit ihrem krummen Schnabel überhaupt ein längliches Werkzeug als Verlängerung des Schnabels zu verwenden. „Umso beeindruckender ist, dass es ‚Kermit‘ gelang, dieses Handicap zu überwinden. Seine Strategien legen den Eindruck zielgerichteten Verhaltens nahe“, erklärte einer der Forscher. Für die Krähen hingegen war das Öffnen des Fensters mit Hilfe des Hakens die schwierigste Übung. Sie benutzen im Alltag zwar oft Werkzeuge, um ihnen unbekannte Gegenstände aus sicherer Entfernung zu untersuchen, die direkte Berührung mit fremden Objekten macht ihnen normalerweise jedoch eher Angst. „Nachdem Uek das Fenster erfolgreich geöffnet hatte, holte sie sich die Belohnung aus sicherem Abstand mithilfe des Stabes, statt ihren Kopf direkt durch das Fenster in die Box zu stecken, wie es die Keas getan hatten“, beschrieb eine am Experiment beteiligte Forscherin. Von den Ergebnissen der Studie erhofft sich das Wissenschaftler-Team eine bessere Einsicht in die Entwicklung von Intelligenz.

Quelle: „Gefiedert und gewitzt: Die Werkzeug-Benützer „Kermi“ und „Uek“, Der Standard, 12.06.2011 (http://derstandard.at)

Ihr Kommentar zu:
“Intelligenz bei Papageien und Rabenvögeln nachgewiesen”

 

| Kontakt | Copyright © 2017 Papageienschutz aktuell | Impressum |