Papageienschutz aktuell-news

Internet-Zeitung des Papageienschutz-Centrums Bremen e. V.

Animal Hoarding – ein zunehmendes Problem unserer Zeit

Animal hoarding bezeichnet das unkontrollierte Halten und Sammeln von lebenden Tieren und gilt als psychische Erkrankung. Die Betroffenen halten unzählige Tiere in kleinen Wohnungen und berücksichtigen dabei nicht einmal die grundlegenden Standards der Tierhaltung wie Hygiene, Pflege, Fütterung und tierärztliche Versorgung. Es kommt schließlich zur völligen Verwahrlosung der Tiere, da der Tierhorter nicht in der Lage ist, die vorhandenen Missstände zu erkennen und zu beseitigen. In den U.S.A. sind über 1000 Fälle jährlich mit hunderttausenden Tieren belegt aber auch in Deutschland sorgen immer wieder Meldungen über Fälle von Animal Hoarding für Aufsehen. So wurden im Dezember 2008 etwa 1700 Vögel aus einer Zweizimmerwohnung in Berlin gerettet, wo ein Rentner mit den Tieren zwischen Kot und Federn  lebte. Nachbarn hatten sich Anfang Dezember über den aus der Wohnung dringenden Lärm und Gestank bei den zuständigen Behörden beschwert. Die Vögel wurden von Tierheimen und Tierschutzvereinen aus verschiedenen Städten aufgenommen. Nicht einmal ein halbes Jahr später, wurde im Mai 2009 ein ähnlicher Fall wieder aus Berlin gemeldet, wo Mitarbeiter des Veterinäramtes und Tierschützer etwa 500 Sittiche aus einer kleinen Wohnung mit gerade mal anderthalb Zimmern holten. Die Vögel, die nach ihrer Befreiung im Tierheim Berlin untergebracht wurden, waren in völlig verschmutzten und viel zu kleinen Käfigen eingepfercht. Im nordrheinwestfälischen Viersen wurden Mitte 2009 etwa 100 Tiere – darunter Papageien, Sittiche und Nagetiere – aus privater Haltung befreit, von denen 30 eingeschläfert werden mussten. Die übrigen Tiere landeten wieder einmal im örtlichen Tierheim. Noch bizarrer stellte sich ein Fall von Animal Hoarding in Hamburg dar, wo Mitarbeiter des Veterinäramtes im Oktober 2009 in einem Einfamilienhaus 360  Vögel, neun Fische, 162 Ratten und Mäuse, 25 Kaninchen und sechs Katzen entdeckten, die unter schlimmsten Bedingungen dort gehalten wurden. Das Haus war vom Keller bis zum Dach mit Tieren vollgestopft und in einer Tiefkühltruhe wurden auch noch etwa 100 Tierkadaver entdeckt. Die betroffene Familie war den Behörden schon früher wegen nicht artgerechter Haltung von Nutzgeflügel aufgefallen und stand seitdem unter ständiger Beobachtung. Anfang 2010 setzte sich die Serie von Tierquälerei weiter fort, als in einer Doppelgarage in Bamberg um die 400 Vögel und Nager, die einem Züchter gehörten, auf Grund eines anonymen Hinweises vom zuständigen Veterinäramt, Tierschützern  und Polizeibeamten entdeckt wurden. Der Mann hatte 41 Vögel in einen einzigen Käfig gesperrt und an den Garagenwänden liefen Kot und Urin herab. Unter den Vögeln, die in einem erbärmlichen Zustand waren, befanden sich auch vier Wildfänge. Gegen den Besitzer der Tiere wurden verschiedene Anzeigen erstattet, unter anderem wegen Verstößen gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen und gegen das Tierschutzrecht. Erst kürzlich wurde eine Frau aus Neumünster in Schleswig Holstein zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sie im vergangenen Sommer ihre Tiere, die unter schlimmsten hygienischen Bedingungen gehalten wurden, in der Hitze auch noch  ohne Wasser und Futter gelassen hatte. Das Thema Animal Hoarding hat leider in den letzten Jahren verstärkt an Bedeutung für den Tierschutz gewonnen. Tierschutzverbände und Veterinärbehörden berichten zunehmend über Fälle von Tierhaltungen unter unvorstellbar tierquälerischen Bedingungen. „Derartige, sich häufende Fälle, stellen Behörden und Tierschutzorganisationen vor große Heraus- forderungen, die nur schwer zu bewältigen sind. Eine große Zahl von Tieren aller möglichen Arten muss versorgt und untergebracht und bei Bedarf medizinisch behandelt werden, Wohnungen müssen gegebenenfalls kurzfristig ausgeräumt werden. In vielen Fällen ist darüber hinaus eine Betreuung der Tierhalter notwendig“, klagte die Staatssekretärin des baden-württembergischen Ministeriums für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz. Erst im Oktober dieses Jahres wurde in einem TV-Bericht ein weiterer Fall von Animal Hoarding in der Uckermark bekannt gemacht. Dort hielt eine Frau etwa 250 Tiere auf ihrem verwahrlosten Grundstück zwischen Müllbergen und Bauschutt,  zum Teil in kleine enge Schuppen eingepfercht. Unter den Tieren befanden sich neben Hunden, Kaninchen und Geflügel auch Pfauen und Perlhühner, deren Aufent- haltsbereiche ebenso wie der Wohnbereich  durch Kot und Abfall völlig verdreckt waren.

Quelle:
aho Redaktion Kleintiere & Pferde (www.animal-health-online.de):
„Bergung von über 1700 Vögeln aus Zweiraumwohnung abgeschlossen“, 18.12.2008;
„Berlin: Fast 500 Vögel in einer verdreckten Anderthalb-Zimmer-Wohnung“, 26.05.2009;
„Total verwahrlost: 100 Tiere aus privater Haltung befreit; 30 eingeschläfert“, 09.07.2009;
„Animal Hoarding: 500 Tiere aus Haus geborgen; 100 Kadaver in der Tiefkühltruhe“, 31.10.2009;
„Kot, Urin, drangvolle Enge: Tierschützer bergen 400 verwahrloste Tiere eines Züchters“, 28.01.2010;
„Fäkalien, Fliegen, Gestank, verdurstete Tiere: Tierquälerin verurteilt“, 30.11.2010;
„Krankhaftes Animal Hoarding – ein zunehmendes Problem für Behörden und Tierheime“, 11.03.2010.

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