Papageienschutz aktuell-Beiträge

Internet-Zeitung des Papageienschutz-Centrums Bremen e. V.

Sterben im Sicherheitsnetz

Papageien, die an der Vogelgrippe gestorben sind, hat es bislang offensichtlich nicht gegeben; jedenfalls wurde Gegenteiliges bisher nicht berichtet. Und dennoch sind viele wild lebende Papageien – die genaue Zahl ist unbekannt – durch den Menschen zu ‚Opfern’ der Vogelgrippe geworden. Über dieses Problem schreibt Dr. Stewart Metz, M.D., Direktor von ’The Indonesian Parrot Project’ in dem folgenden Artikel, der im Dezember 2005 in ‚Charlie’s Bird Blog’ veröffentlicht wurde und hier mit freundlicher Genehmigung des Autors in deutscher Übersetzung erscheint.

I.

Die meisten Umweltschützer würden wahrscheinlich zustimmen, dass die Importverbote für gefangene Wildvögel, die wegen der Vogelgrippe gerade erst in vielen Nationen erlassen wurden, eine gute Sache sind – und zwar sowohl für die Menschen als auch für die wild lebenden Vögel. Die Mehrheit würde wohl auch darin übereinstimmen, dass solche Gesetze auf Dauer gemacht werden sollten, so dass die Märkte für Wildtiere, wie z.B. der berüchtigte „Pasar Burning“ in Indonesien ein für alle mal geschlossen werden.
Das Sekretariat von CITES hat sich gegen solch ein Verbot ausgesprochen und gibt zu bedenken, dass dies dazu führe, dass der Handel im Geheimen weiterlaufe und womöglich verarmte „Stakeholder“ schadete, die vom Vogelfang leben.
Solche Auffassungen werden jedoch in einer Stellungnahme, die das „Species Survival Network“ veröffentlichte, eindrucksvoll wi- derlegt. Während der legale Import gefangener Wildvögel zu- nehmend eingeschränkt wird, wachsen in verschiedenen Berei- chen zugleich die gemeinsamen Anstrengungen, den illegalen Han- del mit Wildvögeln zu unterbinden. Hierzu gehören einige Sondereinheiten von Mitgliedern der ASEAN, eine Kooperations- initiative der Regierung der Philippinen und Indonesiens, und die von den USA geführten globalen Koalition „Gegen den Handel mit wild lebenden Tieren“ – um hier nur einige wenige zu nennen. Solche Bemühungen sollen das Schmuggeln von bedrohten Tier- arten reduzieren, die Möglichkeit der Verbreitung von HPAI mini- mieren (HPAI gedeiht sowohl in den „Buden“ der Schmuggler, in denen verschiedenste Tierarten zusammengepfercht und unter unhygienischen und beengten Bedingungen „aufbewahrt“ werden, wie auch auf den „öffentlichen“ Vogelmärkten), das Eindringen anderer, wenngleich nicht von Vögeln auf Menschen übertragbare Krankheiten, in den Handel mit Vögel für die Haustierhaltung ver- hindern, wie z.B. PBFD, Newcastle Disease (atypische Geflü- gelpest) und den Herpesvirus.

Soweit, so gut, mit der Ausnahme, dass in diesem Gesamtkom- plex Betrachtungen über das Schicksal der Vögel, die in diesem Sicherheitsnetz gefangen sind, nicht vorzukommen scheinen.

Tatsächlich gibt es aus diesem Grund seit einiger Zeit jedoch Ärger, und zwar wegen des Umgangs mit Papageien, die in dieser Hinsicht das dramatischste Beispiel darstellen.

In Brüssel wurden im Jahre 2004 einige hundert Papageien in einer Quarantänestation notgeschlachtet (und 450 in einer anderen Sta- tion), bloß deshalb, weil sie in der ‚Risikozeit’ die gleiche Zollstation passiert hatten, wie HPAI-positive Kronenadler. Die anschließen- den Tests der Papageien stellten sich als „H5N1-negativ“ heraus. Ebenfalls im Jahre 2004 wurden 28 geschmuggelte indonesische Kakadus (Molukken-Kakadus und Palmen-Kakadus, beide im CI- TES-Anhang I aufgeführt) am Flughafen in Taipeh konfisziert. Ob- gleich Tests für die „Vogelgrippe“ gemacht wurden, wurden die Vögel sofort „ausgemerzt“, ohne auf die Testergebnisse zu war- ten. Am nächsten Tag kamen die Ergebnisse zurück- alle 28 waren negativ! An Quarantäne war nicht einmal gedacht worden.

Ein ähnliches Schicksal widerfuhr im Jahre 2005 500 geschmug- gelten, indonesischen Papageien – wahrscheinlich Kakadus (Art ungewiss) – die von zuständigen Behörden der Philippinen be- schlagnahmt wurden. Sie wurden anscheinend sofort „geopfert“, ohne entweder eine Quarantäne oder Tests zur Feststellung der „Vogelgrippe“ in Betracht zu ziehen.

Aus Europa kommend, wurden 346 Agaponiden auf den Philippinen getötet, lediglich aus dem Grund, weil das Flugzeug, das die Vögel transportiert hatte, einen Zwischenstopp in Bangkok gemacht hatte und die Erreger des HPAI-Virus irgendwie an Bord hätten gelangen und die Tiere sich hätten infiziert haben können. Ich erfuhr von einem Experten bezüglich des alltäglichen Handels mit wild leben- den Tieren, dass diese Beispiele lediglich die Spitze des Eisberges seien.

Welch eine traurige Ironie es doch ist, dass die für die wild leben- den Tiere zuständigen Beamten der Artenschutzbehörden und des Zolls – die letzte Verteidigungslinie dieser „belagerten“ Vögel vor ihren Fängern – inzwischen selbst die Henker dieser Tiere gewor- den sind. Und unter dem Gesichtspunkt des Artenschutzes scheint solch ein „Ausmerzen“ die erzielten Wirkungen gegen die Wilderei zumindest partiell zunichte zumachen.

Das Photo zeigt Pak Katayane neben den von ihm beschlagnahmten Molukkenkaka- dus, Edelpapageien und Rotkopfpapagei- en.

Ich weiß nicht, was die Züchter, die mit gefangen Wildpapageien oder anderen Vögel züchten, machen werden, wenn ihr Bestand nicht mehr in Übersee verkauft werden kann, aber es ist wohl unwahrscheinlich, dass sie ihr Geld weiterhin in die nicht länger profitablen Zuchtmaßnahmen stecken werden. Der wahrschein- lichere Ausgang wird sein entweder der bedauerliche Tod von weiteren Vögeln oder aber der Versuch, die Vögel für weniger Geld zu verkaufen. Auch wenn sie lokale Käufer finden sollten, ist es äußerst unwahrscheinlich, dass diese Vögel „gute Haustiere“ sein werden und die „Schnäppchen-Käufer“ zu mitfühlenden Besitzer werden.

In Indonesien ist Euthanasie in der tierärztlichen Praxis der letzte Ausweg, und sie erfordert die Zustimmung von zwei Tierärzten und einem Beamten der Forstwirtschaft. Beschlagnahmte Papageien werden nicht „ausgemerzt“, aber oftmals in den Örtlichkeiten der Beschlagnahmungsbüros behalten – sowohl in der KSDA (Behörde für Umweltschutz und natürlichem Reichtum) als auch in der Behörde für die Forstwirtschaft. Diesen Behörden mangelt es jedoch an finanziellen Mitteln, an Fachkenntnissen und an der Einrichtung, um Papageien angemessen versorgen zu können. Nach meinen Erfahrungen in Zentral Malaku ist die Sterberate bei den beschlagnahmten Papageien extrem hoch.

Und wieder einmal sind die wild lebenden Vögel Opfer als „un- schuldige Zuschauer“ entweder des Virus oder des illegalen Han- dels; sie werden gefangen und sterben in dem Netz, das ei- gentlich ihr „Sicherheitsnetz“ sein sollte.

Ironischer Weise ist bislang (nach meinem Wissen) erst ein einzi- ger Fall eines großen und/ oder eines Papageis einer vom Aus- sterben bedrohten Art beschrieben worden, der an H5N1 erkrankt war. In der Tat, wir wissen jetzt, dass in dieser Hinsicht der „Pi- onus“, der in Groß-Britannien für Aufruhr sorgte, unschuldig war.

Kann irgendetwas für diese Vögel getan werden?

Sicherlich sollten alle in Quarantäne gesetzt werden und auf HPAI getestet werden (so wie es schon routinemäßig in den USA und in Groß-Britannien) getan wird. Kein Tier sollte gewissermaßen reflexartig „ausgemerzt“ werden, nur weil es leichter ist, sie herabzuwürdigen und sofort zu töten, als einem rationalen, wis- senschaftlichen Protokoll zu folgen, das nicht nur angebracht ist, weil es sich um lebende Kreaturen, sondern in den meisten Fällen zudem noch um Tiere vom Aussterben bedrohter Arten handelt.
Ich behaupte, dass viele von ihnen in ihr Herkunftsland zurück- gebracht werden könnten und zurückgebracht werden sollten und einige von ihnen sogar wieder ausgewildert werden sollten. Dieser Vorschlag wird einige Artenschützern sicherlich die Augenbrauen hochziehen lassen. Ich werde mich mit dem „Warum“ und „Wie“ als nächstes auseinandersetzen…

II.

In dem ersten Teil dieses Blogs habe ich meine Betroffenheit über eine Tatsache ausgedrückt, die wir aus unserem Bewusstsein verdrängen – das Schicksal von Vögeln, besonders der gefähr- deten Arten, nach deren Beschlagnahme von Schmugglern oder Händlern.
Die Gründe für solche Beschlagnahmungen bewegen sich von dem illegalen Handel mit geschützten oder bedrohten Arten, bis hin zu der Befürchtung, dass die Vögel die hoch ansteckende Vogel- grippe in sich tragen könnten.
Lassen Sie mich in diesem zweitem Teil etwas ausdrücken, was man eigentlich nicht tut, am wenigsten in der traditionellen, wissenschaftlichen und bestandsbezogenen Arbeit im Artenschutz: Das Problem beim Namen nennen.

Beschlagnahmte Kakadus auf dem Flug- hafen von Taipeh

Die Panik über die Vogelgrippe wird deutlich auf diesem Foto. Das Foto zeigt fünf der 28 Kakadus, die auf dem CKS Flughafen in Tai- peh nur deswegen getötet wurden, weil man befürchtete, dass sie mit der Vogelgrippe in- fiziert sein könnten. Hätten die Offiziellen nur 24 Stunden gewartet, hätten sie das Testergebnis gehabt. Alle 28 Kakadus waren von der Vogelgrippe nicht infiziertDies geschah, obwohl, meinem Wissen nach, bisher kein einziger Fall von Vogelgrippe bei Großpapageien dokumentiert wurde. Diese wahrscheinlich geringe Anfälligkeit für den H5N1 Virus ist zweifel los nur relativ. Unter entsprechenden Bedingungen können Papageien die Krankheit bekommen. Tatsächlich zeigten sich Wellensittiche in Versuchen für den H5N1 Virus empfänglich. Entscheidend ist, dass eine vernünftige Anwendung von Quarantäne und HPAI-Tests genügen sollten, um jede Erkrankung zu entdecken und diese herrlichen Vögel vor dem unnötigen Tod zu retten.
Bei der Beschlagnahme von Vögeln gibt es nicht nur beim Zoll oder anderen Kontrollpunkten innerhalb des importierenden Lan- des Probleme, sondern auch in dem Ausfuhrland.

In Indonesien, zumindest in der Provinz Maluku und zweifelsohne auch in West Papua und anderswo, sterben trotz bester Absichten, eine wesentliche Anzahl der beschlagnahmten Vögel in den Händen von Regierungsangestellten.
Viele Angestellte der “Balai Konservasi Sumber Daya Alam”, der regionalen Behörde für Umwelt- und Naturschutz, oder dem “Departemen Kehutanan” der Forstbehörden sind nicht in der Lage, bedrohte Papageienarten zu erkennen. Viele der aus dem Wald gewilderten Vögel dürften verhungert sein, weil sie Obst und Gemüse vom Markt erhielten das sie nicht als Futter kannten. Damit kamen sie von dem Regen in die Traufe.
Die Frage ist, sollen wir uns, angesichts massiver Probleme wie zoonotischer Krankheiten und Schmuggel, von der eine weit größere Anzahl von Vögeln betroffen ist, um diese wenigen indi- viduellen Vögel kümmern?
Erstens reden wir in Wirklichkeit nicht nur von ein paar Vögeln. Die Anzahl geht in die Tausende, und dies ist nur die Summe der Fälle, die in den Medien Aufmerksamkeit erreicht haben. Ferner, wenn wir von bestimmten Arten indonesischer und philippinischer Papageien sprechen, müssen wir der Tatsache ins Auge sehen, dass von diesen in der Wildnis nur noch hunderte oder tausende existieren. Da sind die Orangehaubenkakadus (Cacatua sulphurea citronocristata) mit unter 2000; oder der Rotsteißkakadu (Cacatua haematuropygia) mit weniger als 2000; oder der mittlere Gelbhau- benkakadu und der Gelbwangenkakadu (Cacatua. Sulphurea) mit nur noch unter 10 bis unter 100 Exemplaren.
Ein triftiger Grund, sich um jeden einzelnen Vogel zu kümmern, ist die Tatsache, dass vorwiegend brutfähige erwachsene Vögel und nicht die Jungen gefangen werden.

Zweitens, wenn auch nur eine geringe Anzahl dieser Vögel für eine mögliche Entlassung in die Freiheit in ihre Heimat zurückge- führt und eingewöhnt werden könnten, dann glaube ich, dass jeder einzelne Vogel dem Artenschutz als Symbol dienen könnte, um gegenwärtigen und zukünftigen Generationen zu Lehren, stolz auf die eigene Natur zu sein und sich der Grausamkeit und Ver- schwendung im Handel mit Wildvögeln bewusst zu werden.
Sowohl die “Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Flora and Fauna” (CITES) als auch die “Inter- national Union for the Conservation of Nature” (IUCN) haben eindeutig festgestellt: ”return to the wild makes a strong political / educational statement concerning the fate of animals and may serve to promote local conservation values.“Während Artenschutz-Interessen am besten mit dem Überleben von möglichst vielen Individuen gedient ist (IUCN 2000), definiert dieser Ansatz nicht die Mindestanzahl der Tiere, die benötigt werden, um eine Artenschutzfunktion zu erfüllen, sondern nur die wichtige Botschaft an die lokale Bevölkerung, den Wert des einheimischem Tierlebens und dessen Erhaltung zu erkennen.

Im September 2004 bekam Pak Joel Katayane, ein Forstbeamter des Mansuela Nationalparkes auf der Insel Seram in den mittleren Molukken Indonesiens, einen Tipp von Kollegen des “Indonesien Parot Projects” und “Yayasan Wallacea” – mit denen ich das Glück habe zusammenzuarbeiten – dass ein sehr bekannter Schmugg- ler, Andi Samsudin, eine Ladung Kakadus und Papageien besitzt, die er von einheimischen Mitgliedern des Nuaula Stammes gekauft hat.

Rothaubenkakadus ruhend und spielend in dem Rehabilitierungszentrum des Indone- sian Parrot Project’s auf Seram.

Einige dieser Vögel haben nicht überlebt, da es kein offizielles Vorsorgeprogramm für die Vögel gibt. Einige konnten in eine Auffang- station gebracht werden. Samsudin, der Schmuggler, wurde festgenommen und von einem Gericht zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Pak Joel erhielt mehrere hundert “Dan- keschön” aus aller Welt eine noch nie da gewesene Reaktion, welche ihn zu einem lokalen Held machte und sein Ansehen stei- gerten.

Als Ergebnis davon wurde der Kampf gegen den Schmuggel im Nationalpark bemerkenswert intensiviert und dies sprang über auf die Angestellten des Umwelt- und Naturschutzes, die den Hafen der nahe gelegenen Insel Ambon beobachten. Als Folge dieser Be- schlagnahme wurde außerdem auf Nord Seram eine Auffangstation gebaut, um diesen Vögeln eine sichere Zuflucht zu bieten. Mehrere dieser Kakadus sind jetzt dort untergebracht und werden von ehe- maligen Wilderern versorgt.

Das Ergebnis zeigt, dass die Botschaft, stolz auf die einheimische Natur zu sein, durch eine Handvoll Vögel weiter getragen wurde.

Einige dieser Kakadus stehen kurz vor ihrer Auswilderung in den Seram Wald – nach fast einem Jahr Eingewöhnung, Beobachtung und umfangreichen medizinischen Untersuchungen. Das ist not- wendig, um sicherzustellen, dass die Auswilderung ohne gesund- heitliche Gefahr für die einheimische Vogelwelt ist. Wenn und falls die Kakadus ausgewildert werden, wird dieses “pelepasan” ( baha- sa-indonesisch für: “der Akt der Befreiung” ) sicherlich ein großes Ereignis werden, das im gesamtem Distrikt von allen, einschließlich der Kinder, gefeiert werden wird.

Ich glaube, dass einzelne Vögel, die sowohl die gefährdete Art und das Erbe einer herrlichen Vogelwelt ihres Herkunftslandes re- präsentieren, davor zu bewahren sind, in den Händen Ihrer so genannten “Retter” zu sterben. Das wäre ein wichtiger Einsatz für angewandten Artenschutz.

Diesem Wert kann Ausdruck verliehen werden durch:

  • Entlassung in die Wildnis, wenn diese Freilassung nach ent- sprechenden Sicherheitsstandards zum Wohl aller betroffenen wild lebenden Tiere erfolgt und von den lokalen Behörden die einheimische Bevölkerung und die Presse mit einbezogen werden.
  • Einrichtung eines lokalen Vogelparks, wo Einheimische oft zum ersten Mal Wildvögel sehen können. Es ist erstaunlich, wie wenig Menschen in Indonesien jemals im Wald waren oder einen wilden Papagei gesehen haben. Viele wissen noch nicht einmal was ein Kakadu ist.

Vom ersten Punkt kann eine gewaltige Kraft ausgehen. Ist eine Auswilderung logistisch machbar? Dr. Lester Louis Lopez ist Ve- terinär und arbeitet mit der “MyZoo Volunteer Group Foundation” auf den Philippinen. Diese Gruppe wiederum arbeitet mit dem “Wild life Rescue Center of the Protected Areas” und dem Natur- schutzbüro der philippinischen Regierung zusammen.

Dr. Lopez plant eine ansehnliche Anzahl illegal auf die Philippinen eingeführter Indonesischer Papageien in ihre Heimat zurückzu- führen. Die Vögel werden auf mögliche Krankheiten untersucht und dann in das Pusat Penyelamatan Satwa-Bali (The Bali Wild Animal Rescue Center) gebracht, das unter der Leitung von Dr. Wahyu Widyay-andani steht.
Dieses ist eine der neun Auffangstationen in Indonesien, die be- schlagnahmte Wildtiere und -vögel von den indonesischen Be- hörden zwecks Eingliederung und möglicher Freilassung in ihre natürliche Umgebung nach den Richtlinien der IUCN erhalten.
Die Regierungen der Philippinen und Indonesiens haben schon die Erlaubnis für diese Rückführung gegeben.

Die Rückführung ist ein komplexer Prozess. Beide Regierungen und ihre lokalen Gemeinschaften haben den Wert dieser Tiere, die einzigartig in Indonesien sind, und die Notwendigkeit diese zu erhalten, erkannt.

Die CITES selbst gibt folgende Erklärung ab : „CITES fordert, dass die beschlagnahmenden Behörden die Option der Rückführung der in der CITES gelisteten Tiere in das Exportland als eine Lösung in Betracht ziehen“. Selbstverständlich müssen routinemäßige Tests auf Vogelgrippe zusätzlich zu den gewöhnlichen tiermedizinischen Untersuchungen und Labortests als Bestandteil eines jeden Rück- führungsprozesses durchgeführt werden.
Es muss hervorgehoben werden, dass die Freilassung beschlag- nahmter Vögel ein erhebliches Risiko für die heimische Vogelwelt und der freigelassenen Vögel bedeutet. Sie muss sorgfältig durch- geführt werden und nicht leichtfertig, um ungewollte Vögel los- zuwerden oder das eigene Gewissen zu beruhigen.

Die World Conservation Union stellt fest: Falls das kleinste Risiko besteht, dass beschlagnahmte Vögel mit exogenen Krankheitser- regern infiziert sind, ist das Risiko, Krankheiten auf die wilde Population zu übertragen zu groß, so dass diese Tiere nicht in die Wildnis entlassen werden können.
Einige Artenschützer argumentieren, dass Gelder, die in solche Projekte fliesen, besser an anderer Stelle genutzt werden sollten. Sie benutzen sogar die geringeren Kosten der Tötung als Ar- gument gegen die Entlassung in die Freiheit. Offensichtlich vertrete ich in ausgewählten Fällen einen anderen Standpunkt. Aber da ist noch ein anderer Faktor, der selten in die Diskussionen über Artenschutz eingebracht wird. Das ist der humane oder ethische Aspekt für die Erhaltung einzelner Vögel. Sollen wir erlauben, dass diese Vögel getötet werden – das ohne guten Grund und ohne wissenschaftliche Rechtfertigung ihr ohnehin schon trauriges Leben beendet wird? Und wird dieses Argument nicht unterstützt von den kürzlich übereinstimmenden Erklärungen über die Feststellung der Intelligenz von Vögeln?

Bei einem internationalen Konsortium von Neuro-Wissenschaftlern wurde die “neocortex-like cognitive functions of the avian pallium” anerkannt.

In einer einzigartigen wissenschaftlichen Übereinstimmung sind die Teilnehmer zu der Erkenntnis gekommen, dass in dem großen und gut entwickelten Gehirnmantel der Vögel Informationen auf ähnliche Weise wie bei Säugetiere sensorisch und motorisch in der Hirnrinde verarbeitet werden können. Das ist eine neue Bewertung der Wahrnehmungsfähigkeiten von Vögeln. Dies in Verbindung mit anderen Studien legt nahe, dass zumindest einige Vogelarten komplexe, fortgeschrittene Intelligenz und Gefühle besitzen. Das schafft die Voraussetzung für eine ethische Argumentation auf höherer Ebene.

Meines Wissens ist Lebensrettung und die Verhinderung von Leiden in den Dokumenten von CITES oder IUCN nicht als ein wichtiges Ziel erwähnt. Obwohl es die ganz klare Forderung gibt, dass in Artenschutzprogrammen, einschließlich der Rückführung in die Wildnis, eine humane Behandlung der Tiere gewährleistet sein muss.

Aber braucht es nicht eine Änderung der Einstellung gegenüber der Natur – eine Veränderung des Denkmusters von Person zu Person und Schritt für Schritt, in den Ländern in denen Tiere noch ge- fangen werden; wenn sich die Kultur von dem “Vogel in dem Käfig”, dem seltenen “Vogel als Statussymbol” und die gesell- schaftliche Toleranz der grotesken Vögelmärkte jemals ändern sollen.

Wie viel besser ist es doch, zu lehren, dass wilde Vögel, besonders diese bedrohten Arten, in die Natur gehören oder wie ProFauna Indonesien sagt “Lebih Indah di Alam“, Weit schöner in der Wild- nis, als isoliert mit den Dorfbewohnern zu leben?

Rückführung und Entlassung in die Freiheit oder Vogelpark mit Schulung sind gerade mal zwei Wege um diese Konzepte ein- zuführen. Der beschlagnahmte Vogel ist, meiner Meinung nach, ein ausgezeichnetes Symbol, das, wenn weise gewählt, genutzt wer- den kann, den Wert der gefährdeten Natur, ja des Lebens selbst, auszudrücken. Die ICUN schlägt Euthanasie als eine Option für beschlagnahmte Tiere vor, da sie keine Kosten verursacht, eine positive Anti-Schmuggel-Botschaft ist und die Einschleppung frem- der Krankheiten oder fremder Arten verhindert.
Jedoch, die Anti-Schmuggel-Botschaft, die von Euthanasie ausgeht, ist – wenn sie überhaupt eine ist – begrenzt und kurzsichtig und erreicht auch gewöhnlich nicht die Kinder. Sie versäumt, die Einzigartigkeit, die Schönheit und die Intelligenz dieser Vögel zu herauszustellen. Tatsächlich vermittelt sie die Botschaft eines Anti- artenschutzes und von “Wegwerfvögeln”
Vögel im Namen der Vogelgrippe zu töten und vor allem in den Händen von Naturschutz- oder Zollbeamten, schreit nach einer Lösung. Diese Verfahrensweise ist schrecklich, unmenschlich, un- wissenschaftlich und Geldverschwendung und vergibt die Möglich- keit zum Artenschutz. Sie macht die Anti-Wilderer-Programme lächerlich, wenn sie die gleichen Tiere tötet, die man in der Wildnis zu retten versucht. In meiner Ausbildung in der Humanmedizin wurde mir gelehrt, niemals den einzelnen Patienten bei der Suche zur Heilung einer Krankheit aus dem Auge zu verlieren.

Auch im Artenschutz behaupte ich, dass einzelne Kreaturen zu retten nicht nur einen großen ethischen Wert, sondern auch ein große Bedeutung in der Lehre vom Artenschutz hat.

Es wird nicht den Nobelpreis gewinnen, aber dies zu erreichen wird bestimmt ein nobler Preis sein.

Dr. Stewart Metz | 01.12.2005
Director of ‚The Indonesian Parrot Project‘
Übersetzung Dominique Dietrich
(Die Übersetzung erschien erstmals in ‚Beiträge zum Papageien- schutz’, Nr. 2/2006 und 3/2006.)

 

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