Papageienschutz aktuell-Beiträge

Internet-Zeitung des Papageienschutz-Centrums Bremen e. V.

Rubinlori: Neuansiedlung soll Überleben sichern

Der Rubinlori (Vini kuhlii), ein ca. 18 cm großer, schnell fliegender Papagei mit spitzem Schwanz, war früher auf fast allen südlichen Cook-Inseln beheimatet. Von den einheimischen Inselbewohnern wurde er „Kura“ genannt. Der „Kura“ war wegen seiner kleinen ro- ten Federn sehr geschätzt und wurde deswegen gejagt.

Rubinlori auf einer Bananen Blüte und traditioneller Kopfschmuck mit Federn des Rubinloris

Die Federn wurden von den Polynesiern hauptsächlich zur Zierde genutzt. Sie schmückten ihren zeremoniellen Kopf- schmuck mit roten Federn (siehe neben- stehende Zeichnung). Selbst die Häuptlinge auf Haiti und von den Gesellschaftsinseln schmückten mit diesen Federn ihren berühmten roten Lendenschurz.

Die meisten Federn kamen wahrscheinlich von Kuras, die auf den Cook-Inseln und der Insel Rimatara, einer der Austral-Inseln französisch Polynesiens, lebten

Nach lokaler mündlicher Überlieferung machten die Bewohnern der entfernt liegenden Inseln von Aituaki bis Manuae um 1770 den letzten großen Jagdzug auf den „Kura“ auf der Insel Rimatara. Das war etwa zu der Zeit, als Kapitän Cook die Inseln besuchte. Der Rubinlori wurde von keinem europäischen Besucher der Cook- Inseln beschrieben. Er war wahrscheinlich schon ausgestorben be- vor die ersten Missionare um 1820 auf die Inseln kamen.

Archäologische Nachweise und frühe Berichte über Traditionen las- sen vermuten, dass der Lori schon immer auf Rimatara heimisch war. Auch muss man davon ausgehen, dass er auf den benach- barten Inseln Rurutu und Tubuai vorkam.

Der Rubinlori steht wegen seiner kleinen Population und seines begrenzten Verbreitungsgebietes auf der roten Liste (ICUN). Sein Bestand ist gefährdet.

Heute lebt der Rubinlori innerhalb seines früheren natürlichen Ver- breitungsgebietes nur noch auf Rimatara. Es ist die westlichste der Austral-Inseln im Südpazifik und gehört zu Französisch-Polynesien.

Die Insel Rimatara ist nahezu kreisrund und von einem Riff um- geben. Sie hat eine Oberfläche von knapp 9 km² und ist relativ flach. Die höchste Erhebung, der Berg Uhau, ist vulkanischen Ur- sprungs und nur 83 Meter hoch. Auf den Ebenen entlang der Küsten wurden Kokosnussplantagen angelegt. Der obere Teil des Berges ist mit Farnen, Grass und Bäumen bewachsen. An den unteren Berghängen wird vorwie- gend Gemüse angebaut. Die Loris leben zumeist in dieser landwirtschaftlich genutzten Zone, in der inzwischen eingeführte Bäume und Büsche dominieren. Außerdem sind sie auch in den Kokosnuss- und Paraserianthes falcataria Plantagen, aber sehr selten in den einheimischen Maka- tea-Wäldern zu finden.

1992 wurden noch 900 Rubinloris auf Rimatara gezählt. Bei der letzten Zählung 2000 fand man nur noch ca. 750 von ihnen. Auf den nördlichen Linien-Inseln Kiribati gibt es noch zwei Popu- lationen. Dort wurde der Lori schon früher eingeführt und heimisch. Auf der Insel Teraina wird die Zahl der Vögel auf ca. 1000 geschätzt. Auf Tabuaeran sollen noch 50, wahrscheinlich aber weniger, und auf Kiritimati ein paar einzelne Vögel leben.

Mit dem Erscheinen der Hausratte (Rattus rattus) nach 1850, die sich auf fast allen Inseln ausbreitete, hat seit etwa 1900 der Be- stand der beiden anderen Lori Arten Französisch-Polynesiens, der Saphirlori (Vini peruvianus) und der Ultramarinlori (Vini ultra- marina), drastisch abgenommen. Die Ratten, besonders die Haus- ratte, sind gute Kletterer und räubern die Vogelnester. Das ist der Grund dafür, dass die Loris auf vielen Inseln ganz verschwunden sind.

Bei einer Studie fand man heraus, dass die Hausratte (Rattus rattus) auf der Insel Rimatara nicht vorkommt. Irgendwann wird die Hausratte auch dort auftauchen – zusätzlich zu den zwei an- deren dort schon lebenden Rattenarten, der Pazifischen Ratte (Rattus exulans) und der Wanderratte (Rattus norvegicus). Damit dürfte das Schicksal des Rubinloris in seinem letzten natürlichen Verbreitungsgebiet besiegelt sein. Er wird unweigerlich auch auf Rimatara aussterben.

Um das Aussterben des Rubinloris im Südpazifik zu verhindern, wurden folgende Maßnahmen vorgeschlagen:

  • Die höchste Priorität gilt dem verstärkten Naturbewusstsein der lokalen Bevölkerung und intensiven Quarantäne-Maßnahmen, um zu verhindern, dass die Hausratte versehentlich auf die Insel eingeschleppt wird.
  • Den Rubinlori könnte auf einer der südlichen Cook- Insel in seinem ursprünglichen Verbreitungsgebiet wieder eingeführt werden.
  • Zu Ehren der letzten Königin von Rimatara, die den Lori unter ihren Schutz gestellt hatte, den englischen Namen „Kuhl´s Lori- keet“ in „Rimatara Lorikeet“ zu ändern.

Bei einer im Jahre 2000 vom WWF finanzierten Expedition nach Rimatara wurde der Bestand des Rubinloris (vini kuhlii) auf 750 Tiere geschätzt. Die Abwesenheit der Hausratte (rattus rattus) auf der Insel wurde bestätigt.

Mitglied dieser Expedition war Rongomatane Ariki, Königin auf der Insel Atiu. Die Bevölkerung von Rimatara kam überein, ihr bis zu 20 Rubinloris zu überlassen, damit die Vögel auf der Insel Atui wieder angesiedelt werden können.

Die drittgrößte Cook-Insel liegt 187 Km nordöstlich von Rarotonga. Die fünf Dörfer mit zusammen rund 1.000 Einwohnern liegen alle im hügeligen Inselinneren. Die Insel ist ein aus dem Meer auf- gestiegenes Atoll dessen ehemaliges Riff und Lagune nun als Wall und anschließender Bodensenke das erhöhte Inselinnere um- fassen. Der Wall um die Insel wird Makatea genannt. Atiu hat einen Durchmesser von 6 km und ist mit seinen 29 km² größer als die nur 9 km² große Insel Ramatara.

Atiu und Rimatara sind sich geologisch sehr ähnlich. Beide haben in Ihrer Mitte einen vulkanischen Hügel und auf beiden Inseln gibt es noch den ursprünglichen Makatea Wald.

Die unfruchtbaren Höhen sind mit einheimischen Farnen und exo- tischen Wäldern bedeckt. An den fruchtbaren unteren Berghängen wird Gemüse angebaut. Die einheimischen und auch die einge- führten Pflanzen sind auf beiden Inseln sehr ähnlich. Auf Atiu, eine der südlichen Cooks Inseln, gibt es keine Hausratten.

Auf Grund des mehrfachen politischen Wechsels in Französisch-Polynesien und auf den Cook-Inseln kam das Projekt zur Wiedereinführung des Rubinloris auf Atui ins Stocken.

Im Januar 2005 brachte die Studie des führenden Ornithologen Französisch Polynesiens, Jean-Claude Thibault, über die Vögel Rimataras den Stein ins Rollen. Er empfahl dringend den Aufbau eines Ersatzbestandes für den Rubinlori auf den Cook-Inseln

Ein Schreiben des „Natural Heritage Trustes“ an den neuen Präsidenten Polynesiens folgte im März 2005. Im July 2005 nahm „Birdlife International“ das Projekt in sein „Pazifisches Papageien-programm“ auf. Im November 2005 genehmigte die Regierung der Cook-Inseln die Wiedereinführung des Loris und gründete eine Arbeitsgruppe.

Der Zoo in San Diego erklärte sich im März 2006 bereit mitzu- arbeiten. Er stellt Tierpfleger die im Umgang mit Loris vertraut sind und einen Tierarzt für das Projekt zur Verfügung. Die Wieder- einführung des Loris auf Atui ist für Juli 2007 vorgesehen.

Das Programm wird von vier Organisationen durchgeführt werden:

  • Dem „Cooks Island Natural Heritage Trust“ (einer Regierungs- behörde der Cooks Inseln.)
  • Te Ipukarea Society (Partnerorganisation von „Birdlife Inter- national“)
  • Der „Ornithological Society of Polynesia“ (Partnerorganisation von „Birdlife International“)
  • Der „Zoological Society of San Diego (Zoo von San Diego)

Das Projekt wird von der Regierung Französisch Polynesiens und der Cook-Inseln sowie der Bevölkerung von Rimatara und den traditionellen Häuptlingen auf Aitu unterstützt.

Finanziert wird es zum Großteil durch „Birdlife International“. Alle Einnahmen der im August 2006 in Großbritannien von „Birdlife International“ durchgeführten „British Birdwatching Fair“, kommen diesem Projekt zu Gute.

Weitere Gelder stellen der „Fonds Francaise pour le Pacific“, der Zoo von San Diego, die Neuseeländischen Regierung, Air Raro- tonga und der „Pacific Development and Conservation Trust“ zur Verfügung.

Die Übersiedlung dieser gefährdeten Vogelart von einem Land in ein anderes braucht noch die Zustimmung von CITES.

Erika Olbrich | 16.10.2006
Quellen:
Rimatara Lorikeet Reintroduction Programme
http://cookislands.bishopmuseum.org
BirdLife International (2006) Species factsheet: Vini kuhlii.
BirdLife International 2003 BirdLife’s online World Bird Data-base: the site for bird conservation.
Version 2.0. Cambridge, UK: BirdLife International.
www.birdlife.org
(Der Artikel erschien unter dem Titel ‚Rubinlori (Vini kuhlii): Neuansiedlung soll Überleben sichern‘ erstmals im ‚Beiträge zum Papageienschutz’, Nr.4/2006 und wurde für die Veröffentlichung in ‘Papageienschutz aktuell’ überarbeitet.)

 

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