Papageienschutz aktuell-Beiträge

Internet-Zeitung des Papageienschutz-Centrums Bremen e. V.

Erfolgreiches Naturschutzprojekt in Kambodscha

Das Kardamomgebirge

Das Kardamomgebirge liegt im Südwesten von Kamodscha, das im Westen an Thailand grenzt. Es ist eines der letzten sieben Zu- fluchtsgebiete für Elefanten in Südostasien und bietet mit seinen sechzehn verschiedenen Ökosystemen einen zentralen Lebens- raum für vielfältige Tier- und Pflanzenarten.

Hier leben sowohl asiatische Elefanten, Tiger, Krokodile und alleine schon über hundert verschiedene Vogelarten sowie viele weitere gefährdete Arten. Eine im Jahr 2000 durchgeführte Erforschung dieses Gebietes deckte die dort herrschende enorme Artenvielfalt auf (1).

Die unberührte Wildnis dieser Gebirgskette mit ihren Dutzenden von Wasserfällen macht dieses Gebiet zu einer der beliebtesten Touristenattraktionen in Kambodscha. Ihre hohen Waldbestände bilden eine wichtige Wasserscheide für landwirtschaftlich nutzbares Land im Westen von Kambodscha.

Trotz der Ausdehnung des Gebietes (ca. 0,55 Millionen ha) ist es durch illegale Abholzung, unkontrollierbare Waldbrände und land- wirtschaftliche Nutzung durch Bauern, die während der dreißig Jah- re Bürgerkrieg verdrängt wurden, bedroht. Die Abholzung für den Bau von Straßen und Wasserrinnen, die nahegelegenen Dörfer und Holzfällergemeinschaften üben einen starken Druck auf Flora und Fauna aus. Die neu geschaffenen Zugangsmöglichkeiten bieten Gelegenheit zum Fang und Transport von wildlebenden Tieren und Naturprodukten auf die asiatischen Märkte. Die Waldrodung im Kardamomgebirge und andere Eingriffe in die Natur bedrohen ebenso die Existenz Tausender von Menschen im Küstengebiet, die dort auf eine bodenständige Fischerei, die wiederum mit dem Schutz von Wäldern einhergeht, angewiesen sind. Wenn Wald- flächen und andere noch intakte Regionen sich weiterhin in ihrer Ausdehnung vermindern, ist hier also nicht nur die Tier- und Pflanzenwelt gefährdet, sondern auch der Mensch.

Das Projekt zum Schutz des Kardamomgebirges

Im April 2002 verwirklichten die kambodschanische Forstbehörde und der Naturschutzbund die Durchführung von Wildhüter-Patrouillen, um den Schutz der intakten Wildnis im Karda- momgebirge zu gewährleisten und gegen die zerstörerischen Aus- wirkungen von Waldrodung, Wilderei und illegalem Wildtierhandel vorzugehen. Diese neuen Patrouillen und der damit verbundene Schutz von Lebensraum war dringend notwendig, um unter an- derem einer übermäßigen Elefantenjagd und dem Verursachen von illegalen Waldbränden entgegen zu wirken. Der Naturschutz- bund realisierte seine eigene bewährte Umweltschutzmethode und bestärkte damit die Wildhüter, die Naturgebiete vor Landräubern, illegalen Holzfällern und Wilderern zu schützen. Sie sollten ebenso eine tragbare Landwirtschaft und andere sinnvolle Nutzungs- aktivitäten unterstützen und das Bewußtsein der im Kardamom- gebirge lebenden Gemeinschaften für den Naturschutz stärken. Seit Beginn der Patrouillen-Aktivitäten haben durch den Natur- schutzbund geschulte Wildhüter Wilderei und Waldbrände er- folgreich vermindert und konnten die Intaktheit der Wälder in wichtigen Gebieten, besonders entlang der Transportwege, bewah- ren.

An strategisch wichtigen Plätzen wurden Patrouillen-Stationen er- richtet und ausgestattet, um den Wildhütern die Möglichkeit zu geben, Landraub, Wilderei und Waldrodung zu stoppen und die Überwachung der menschlichen Aktivitäten im Waldgebiet zu rea- lisieren. Die Wildhüter wurden in verschiedenen Bereichen wie Über- wachungsmethoden, GPS-Navigation und Kommunikation ausge- bildet, wodurch ihre produktive Zusammenarbeit mit den Dorf- bewohnern zum Schutz des Waldes gewährleistet ist. Ebenso wurden sie darin ausgebildet, die entsprechenden Anzeichen von Verstößen gegen das Naturschutzgesetz zu erfassen und für die Strafverfolgung zu dokumentieren.

Die Errichtung und personelle Besetzung der Wildhüter-Stationen ist das Ergebnis jahrelanger Bemühungen. Mit der Hilfe von Spen- dern konnten überall im Kardamomgebiet solche Stationen gebaut und ausgestattet werden. Im August 2007 konnte eine solche Station mit Unterstützung der Umweltschutzorganisation Tamaki Foundation und weiteren Spendern am Koh Pao Fluß fertiggestellt werden. Von dort aus wurden Boden- und Flußpatrouillen ausge- sendet, die illegale Aktivitäten mit Hilfe der Luftüberwachung schnell erfassten und diesen entgegenwirken konnten. Im Jahr 2008 ist mit Unterstützung durch eine Medienfirma in Los Angeles die Verlagerung einer bestehenden Station an einen Ort geplant, der die Flüsse Chi Phat und Stung Proat verbindet und als Durch- gangsroute von Wilderern genutzt wird, um gefährdete Primaten für den Verkauf in Vietnam und China zu fangen.

Der Erfolg des Projektes

Die Erfolgsbilanz der Wildhüter im Kardamomgebirge, die ihre Auf- gaben in felsigem Gebiet mit begrenzten Hilfsmitteln bewältigten, war sehr positiv. Sie beschlagnahmten Tausende von illegalen Ma- terialien und Gebrauchsgegenständen wie Holz, Holzkohle, Mo- torsägen, Fallen und Fleisch von Wildtieren und zerstörten Brenn- öfen sowie auch illegale Wildererlager. Auch bei der Befreiung von lebenden Wildtieren, die von Wilderern und Schmugglern gefangen worden waren, waren sie erfolgreich und konnten mit ihrer Arbeit den Druck auf die Fauna und Flora von Kambodscha erheblich reduzieren.

Durch den unmittelbaren Schutz der Wildnis durch die strikte Voll- streckung der Gesetze, durch eine adäquate Ausbildung im Um- weltschutz und wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten ist der Naturschutzbund dazu in der Lage, ein Schutzgebiet für Tiere und Pflanzen im Süden von Kambodscha zu schaffen, das auch in Zukunft Bestand hat. Der Naturschutzbund ist ebenso darauf be- dacht, dass Gemeinschaften, die in der Nähe von geschützten Gebieten leben, die Wichtigkeit der Erhaltung von Wildtierbe- ständen und deren Lebensräumen einsehen und so zum Schutz der Natur beitragen.

In öffentlichen Kampagnen wird das Umweltbewußtsein der Gesell- schaft gestärkt, indem auf die negativen Einflüsse von Wilderei, Waldrodung und die Notwendigkeit, das Naturerbe Kambodschas zu erhalten, hingewiesen wird.

Ländliche Gemeinschaften im Kardamomgebiet können häufig Ein- kommen nur durch Wilderei und illegale Pflanzenernte erzielen. Auch diese wirtschaftliche Herausforderung geht der Naturschutz- bund an, indem Alternativen zur Wilderei und illegalen Zerstörung von Walggebieten geschaffen werden. Den Dorfbewohnern werden technische Kenntnisse vermittelt, um ihren Lebensunterhalt be- streiten zu können und somit die Ausbeutung der Natur zu ver- meiden.

A.Tholl | 31.03.2008
(1) „Biological Survey of the Cardamom Mountains, Sothwestern Cambodia“, Fauna & Flora International, Aprill 2000
Quelle: „Saving the Cardamoms“, Wildlife Alliance, 28. Februar 2008 (www.wildlifealliance.org)

 

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