Papageienschutz aktuell-Beiträge

Internet-Zeitung des Papageienschutz-Centrums Bremen e. V.

Qualen und massenhaftes Sterben

Der weltweite Handel mit Wildpapageien ist nicht nur aus Gründen des Artenschutzes abzulehnen, weil er wesentlich zum Aussterben wild lebender Papageienpopulationen in ihren natürlichen Lebens- räumen beiträgt, sondern insbesondere auch aus Gründen des Tierschutzes, weil den Wildpapageien durch den Handel unermess- liche Grausamkeiten zugefügt werden. (1)
Die Grausamkeiten beginnen mit dem Fang der Wildpapageien in ihren süd- und mittelamerikanischen, afrikanischen und pazifi- schen Siedlungsgebieten. Dabei ist es unerheblich, ob der Fang le- gal oder illegal ist, denn grausam sind die Fangmethoden, die in beiden Fällen dieselben sind.
Eine sehr verbreitete Methode ist der Nestraub. Hierbei wird der Umstand, dass Papageieneltern ihren Nachwuchs schon wenige Ta- ge nach dem Schlüpfen für mehrere Stunden alleine in der Nist- höhle zurücklassen, von Fängern genutzt, die Jungvögel zu rauben. Auch wenn die Jungvögel das eigentliche Ziel des Nestraubes sind, so heißt das nicht, dass die Fänger auf die Elterntiere verzichten, wenn sie ihrer habhaft werden können.
Um an die in hohen und stark verzweigten Bäume häufig schwer erreichbaren Nisthöhlen zu kommen, scheuen die Fänger keine Mühen: Sie werfen Lassos in die Bäume, um sich daran hochziehen oder sie benutzen Klettereisen, um an den Bäumen hochzuklet- tern. In Säcken verpackt werden die Jungvögel hinunter transpor- tiert.
Sollte die Öffnung der Nisthöhle zu klein sein, wird sie aufgesägt. Und wenn die Nisthöhlen trotz aller Mühen für die Fänger nicht er- reichbar sind, wird kurzerhand der ganze Baum gefällt. Dabei stür- zen die Vögel herab und viele verenden qualvoll.
Nisthöhlen werden von Papageienpaaren oft jahrzehntelang be- nutzt. Werden Nisthöhlen zerstört, so wird die Fortpflanzungsmög- lichkeit für die betroffene Papageienpopulation eingeschränkt, denn zum Nisten geeignete Öffnungen in Baumstämmen oder dik- ken Ästen sind in den natürlichen Lebensräumen der Papageien keineswegs in beliebiger Anzahl vorhanden.

Aufgesägte Nisthöhle eines Blaustirnamazo- nen-Paares (Amazona aestiva)

Eine andere Fangmethode besteht in der Verwendung von Leimruten oder im Be- streichen von Ästen mit Klebstoff. Diese Methode wird vor allem eingesetzt, um Sit- tiche und kleinere Papageien zu fangen. Die Versuche der festklebenden Vögel, sich zu befreien, können schwere Verletzungen, insbesondere natürlich am Gefieder zur Folge haben. In dieser qualvollen Lage müssen die Vögel oft Stun- den ausharren, bevor die Fänger sie schließlich ablösen und ein- sammeln.
Um größere Papageien, wie zum Beispiel Aras, zu fangen, werden oft auch Schlingen verwendet, die in den Spitzen der höchsten Bäume, die in den Tropen 50 bis 60 m hoch werden können, ange- bracht. Vögel, die in diese Schlingen geraten, können sich strangu-lieren und einen fürchterlichen Erstickungstod erleiden oder sich Flügel und Beine brechen. Um die gefangenen Vögel, die in den Schlingen überlebt haben, aus den hohen Bäumen auf den Boden zu bekommen, schneiden ihnen die Fänger Schwungfedern ab und lassen sie dann zu Boden fallen. Schwere innere und äußere Verletzungen sind häufig die Folge.

Eine besonders brutale Fangmethode ist auch das Spannen fein- maschiger Netze bis zu Längen von 70 bis 80 m in Waldlichtungen, die von Papageienschwärmen auf der Suche nach Futter ange- flogen werden. Die Vögel, die in vollem Flug in diese Netze hinein- fliegen, können sich – wie im Falle der Schlingen – strangulieren und qualvoll ersticken oder sich schwere Verletzungen zuziehen.

Auch wenn es kaum Informationen über die Anzahl der Papageien gibt, die beim Fang getötet werden, so wird doch durch die Bru- talität der Fangmethoden die Schlussfolgerung unumgänglich, dass diese Zahl beträchtlich sein muss. Untersuchungen bei anderen von diesen Fangmethoden betroffenen Wildvogelarten haben Ster- beraten von bis zu 50% ergeben. Es kann also durchaus davon ausgegangen werden, dass auch beim Fang von wild lebenden Pa- pageien ähnliche Sterberaten gegeben sind, so dass schätzungs- weise auf einen Papagei, der die Gefangennahme überlebt, ein durch die Fangmethoden getöteter Papagei entfällt. In welcher Größenordnung sich die Sterberate tatsächlich bewegt, wird sich nie feststellen lassen, denn der Papageienfang findet im Ver- borgenen und ohne Zuschauer statt und die meisten Fänger dürften – schon um sich im Falle illegaler Fänge vor möglichen Strafen und um ihre Erwerbsquelle vor anderen Fängern zu schützen – kaum bereit sein, über ihr Tun Auskunft zu geben.

Beim Fang getötete Prachtamazonen (Ama- zona pretrei)

Die Wildpapageien, die ihre Gefangen- nahme überlebt haben, kommen zunächst in den inländischen Handel ihres jeweiligen süd- und mittelamerikanischen, afrikani- schen oder pazifischen Herkunftslandes und gelangen dort zum Teil in den einheimischen Straßenverkauf, in der überwiegenden Mehrzahl jedoch zu Händlern, die sie für den weltweiten Handel auf Vorrat halten.

Ohne Zweifel kann davon ausgegangen werden, dass diese qual- volle Art der Lagerhaltung die Sterberate gefangener Wildpapagei- en nochmals deutlich erhöht, wenngleich in Ermangelung diesbe- züglicher Untersuchungen konkrete Zahlenangaben nicht gemacht werden können.

Als ‚Exportvorräte’ werden Papageien in ihren Herkunftsländern unter qualvollen Bedingungen zwischengelagert.

Eine zusammenfassende Betrachtung der Sterberaten gefangener Wildpapageien in den verschiedenen Phasen, die sie in ihren Herkunftsländern durchleiden müssen, be- vor sie endgültig in den Export gehen, führt zu einem erschrecken- den Ergebnis: Auf jeden gefangen Wildpapagei, der exportiert wird, entfallen zwei bis drei gefangene Wildpapageien, die den Fang, den inländischen Transport und die inländische Lagerhaltung nicht lebend überstehen, oder anders ausgedrückt: Um einen Wildpapagei exportieren zu können, müssen etwa drei bis vier Wildpapageien gefangen werden, da zwei bis drei von ihnen vor dem Export sterben. Was diese Sterberate tatsächlich bedeutet, lässt sich an der Anzahl der Wildpapageien zeigen, die zwischen 1989 und 1999 in die EU exportiert wurden, in die im Übrigen – seit die USA im Jahre 1992 ein Importverbot für Wildvögel erlassen haben – 75 % aller exportierten Wildpapageien abgesetzt werden. In dem genannten Zeitraum wurden etwa 1,2 Millionen Wild- papageien in die EU exportiert. Um diese Exportzahl zu erreichen, mussten etwa zwischen 2,4 und 3,6 Millionen Wildpapageien ster- ben.

Dieses Ergebnis ist wichtig für die artenschützerische Bewertung der Exportquoten, die viele CITES-Vertragsstaaten für die auf ih- rem Gebiet wild lebenden und im CITES-Anhang II aufgeführten Papageienarten festlegen. Diese Quoten erwecken den Eindruck, als ließe sich den Beständen wild lebender Papageien exakt kalku- lierbar eine Anzahl von Papageien im Umfang der jeweils fest- gesetzten Quotenhöhe für den Handel ‚entnehmen’. Das aber ist falsch. Um die für eine Papageienart jeweils festgesetzte Export- quote zu erreichen, muss etwa die drei- bis vierfache Menge an Papageien der betroffenen Art gefangen werden. Die tatsächlichen Dezimierungen, die den Beständen wild lebender Papageien durch Exportquoten zugefügt werden, sind also letztlich nicht zu kalku- lieren

Für die gefangenen Wildpapageien, die schließlich in den Export gehen, setzen sich Stress und Leid ungebrochen fort. Sie haben in der Regel Flugreisen vor sich, die unter Einbeziehung der Be- und Entladezeiten, der Zeiten für mögliche Transitstopps und damit ver bundene Umladungen, sowie der Wartezeiten in den Frachtlagern der Flughäfen vor Beginn und nach Abschluss des Fluges, oft meh- rere Tage dauern.
Für die Unterbringung von Vögeln während des Fluges hat die IATA (International Air Transport Association) für die ihr angehörenden Fluggesellschaften verbindliche Richtlinien erlassen. Aber um die Kosten für den Flugtransport gering zu halten, wird seitens der Handelsfirmen versucht, an der Unterbringung der Vögel während des Fluges zu sparen. Untersuchungen haben ergeben, dass die zum Einsatz kommenden Transportkisten den Anforderungen der IATA-Richtlinien meistens nicht entsprechen: die Kisten sind nicht einsehbar und zu öffnen, so dass eine Kontrolle nicht möglich ist, sie enthalten zu wenig oder gar keine Sitzstangen und eine aus- reichende Versorgung mit Futter, Wasser und Frischluft ist häufig nicht gewährleistet. Zudem ist meist die Besatzungsdichte der Transportkisten zu hoch, so dass sich die Vögel kaum bewegen und ihre Flügel ausbreiten können.
Kontrollen auf den Flughäfen erfolgen aufgrund von Personal- und Zeitmangel nur stichprobenartig, so dass das Leid der transpor- tierten Vögel nur in Ausnahmefällen entdeckt wird. Verlässliche Angaben über die auf den Flugtransport zurückzuführende Sterb- lichkeitsrate bei gefangenen Wildpapageien gibt es nicht. Schät- zungen zu Folge liegt die Sterblichkeitsrate etwa zwischen 2% und 5%.

Das große Sterben der exportierten Wildpapageien setzt in den Quarantänestationen der Importländer ein. Hier werden die Wild- papageien 30 Tage (kleinere Papageienarten) oder 45 Tage (grös- sere Papageienarten) in einer völlig sterilen Umgebung einzeln in Käfigen gehalten. Solche Haltungsbedingungen lösen bei den ohne- hin geschwächten und geschädigten Wildpapageien erneut starken Stress aus, der noch verstärkt wird durch die zahlreichen tier- medizinischen Untersuchungen, die die Vögel in der Quarantäne über sich ergehen lassen müssen. Zudem werden die Wildpapa- geien medikamentös behandelt, wodurch ihnen weitere körper- liche Belastungen entstehen. Im Zusammenwirken mit den Schä- digungen aufgrund der vorangegangenen Torturen führen die spe- ziellen Bedingungen und Prozeduren in der Quarantäne offenbar zu einer derart starken Überbelastung der Wildpapageien, dass viele von ihnen in den Quarantänestationen sterben. Verschiedene Stu- dien haben hier Sterberaten bis zu einer Höhe von nahezu 50% festgestellt.

Für die Wildpapageien, die die Quarantänestationen lebend verlas- sen, beginnt aber keineswegs ein Leben tierischen Wohlbefindens. Im Gegenteil, die erlittenen Schädigungen wirken lebenslang und werden nicht selten verstärkt durch die naturwidrigen Beding- ungen, unter denen sie in den Importländern als Haustiere in Käfi- gen oder Volieren gehalten werden.

Im Hinblick auf den internationalen Handel mit Wildpapageien kann es angesichts der zerstörerischen Auswirkungen, die er auf die wild lebenden Papageienpopulationen in ihren natürlichen Lebens- räumen hat, und angesichts des ungeheuren Leides, das durch ihn den gefangenen Wildpapageien bis hin zum massenhaften Sterben zugefügt wird, aus Gründen des Artenschutzes und aus Gründen des Tierschutzes nur eine Forderung geben:

Nestraub gefährdet das Überleben von Papageienarten

Das Überleben von vielen Papageienarten in den Ländern Mittel- und Südamerikas und der Karibik ist nicht nur durch die Zerstörung ihrer natürlichen Lebensräume gefährdet, sondern in einem – bislang eher zu gering eingeschätztem Maße – auch durch den Nestraub für den internationalen Handel. Zu diesem Ergebnis kommt eine von Timothy F. Wright an der University of Maryland (USA) mit For- schern aus 14 Ländern Mittel- und Südamerikas und der Karibik durchgeführte Untersuchung, die den Zusammenhang zwischen der Verminderung von Papageienpopulationen und dem Nestraub erstmals auch statistisch belegt. (1)
Ausgewertet wurden Daten, die von den Mitgliedern der Forschergruppe in der Zeit zwischen 1979 und 1999 durch die Beobachtung von Nisthöhlen von insgesamt 21 in Mittel- und Südamerika und der Karibik beheimateten Papageienarten gesammelt worden waren.
Die Auswertung ergab, dass die durchschnittliche Nestraubrate bei etwa 30% lag. Nahezu jede dritte Nisthöhle wurde also für den legalen oder illegalen Handel ausgeraubt. Bei vier Papageienarten lag der Nestraub sogar über 70%. In Übereinstimmung mit den Untersuchungsergebnissen anderer Wissenschaftler kam die Forschergruppe zu dem Ergebnis, dass allein in den Jahren zwischen 1991 und 1996 jährlich zwischen 400.000 und 800.000 Papageienküken aus Nisthöhlen geraubt worden waren.
Da Papageien niedrige Fortpflanzungsrate haben (zur Paarung kommt es nur, wenn das Papageienpaar eine geeignete Nisthöhle findet; das Gelege umfasst dann durchschnittlich 3-4 Eier), ist der Nestraub eine erhebliche Bedrohung für ihr Überleben. Die volle Wirkung, so stellt Wright fest, zeigen sich nicht sofort: ‚Papageien brüten nur einmal im Jahr und können bis zu 50 Jahre alt werden. Ohne Jungvögel werden wir einen dramatischen und plötzlichen Rückgang der Zahl der Papageien erleben’ (2)
Der Nestraub ist für Papageienfänger eine effektive und sichere Methode an Papageien zu kommen, weil Papageien jedes Jahr zum Brüten zu der einmal von ihnen erwählten Nisthöhle zurückkehren und die Elterntiere ihre Jungen schon fünf Tage nach dem Schlüpfen für Stunden allein lassen.
Nach Feststellung der Forschergruppe sind 46 der 145 in Mittel- und Südamerika lebenden Papageienarten mehr oder minder vom Aussterben bedroht; davon 39 Arten insbesondere durch den Nestraub.
Mit Nachdruck wendet sich Wright gegen die Auffassung, das Problem könne durch die Auswilderung von Papageien gelöst werden, die in Gefangenschaft aufgewachsen sind. Diese Auffassung, die auch von vielen Artenschutzorganisationen vertreten wird, verkennt, dass Papageien in freier Natur als Jungvögel das zum Überleben notwendige Verhalten von ihren Eltern lernen müssen, also zum Beispiel, dem Schwarm zu folgen, Feinde zu bemerken, die Art der Bäume zu erkennen, die zum Nisten geeignet sind, oder die Früchte und Samen zu finden, die als Nahrung geeignet sind. Papageien verbringen sehr viel Zeit damit, ihrem Nachwuchs das in ihrem jeweiligen natürlichen Lebensraum zum Überleben notwendige Verhalten zu zeigen.
Da Papageien ihrem Nachwuchs dieses Verhalten unter den Bedingungen der Gefangenschaft nicht vorleben können und erwachsene, in die freie Natur entlassene Papageien dieses Verhalten nicht mehr lernen können, sind die Überlebenschancen von Papageien im Falle ihrer Auswilderung sehr gering.
Die Forscher um Wright fordern daher, den weltweiten Handel mit Papageien stärker zu beschränken, um den Anreiz für das Ausrauben von Nisthöhlen zu verringern und so das Überleben der natürlichen Papageienpopulationen zu sichern. Sie weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass das Importverbot für Papageien, dass die USA im Jahre 1992 verhängt haben, zu einem deutlichen Rückgang des Nestraubes geführt hat, waren doch 50% der von den Ländern Mittel- und Südamerikas und der Karibik legal exportierten Papageien in die USA eingeführt worden. Ein weiterer Rückgang des Nestraubes könnte folglich erreicht werden, wenn die EU, die derzeit 75% der legal exportierten Papageien einführt, dem Beispiel der USA folgte und ein Importverbot für Papageien verhängen würde.

H.H.Braune | 13.07.2002
(1) vgl. University of Maryland, News Release v. 24.05.2001. Die Studie wurde in ‘Conservation Biology’, Juni 2001 veröffentlicht.
(2) ebenda

Im inländischen Handel ihrer Herkunftsländer sind die gefangenen Wildpapageien in der Regel miserablen Transportbedingungen aus- gesetzt mit der Folge, dass sich für die betroffenen Wildpapageien der ohnehin lebensbedrohenden Stress ihrer Gefangennahme nochmals verstärkt wird und in vielen Fällen zum Tod führt. Zwar fehlen genauere Daten über die Höhe der Sterberate bei ge- fangenen Wildpapageien, die dem Transport in ihrem jeweiligen Herkunftsland zu zuschreiben sind; einen Anhaltspunkt geben je- doch Untersuchungen, die über derartige Inlandstransporte von gefangenen Wildvögeln anderer Arten durchgeführt wurden. Auf- grund dieser Untersuchungen kann davon ausgegangen werden, dass bis zu 15% der gefangenen Wildpapageien auf den Inlands- transporten in ihren Herkunftsländern sterben.

Die gefangenen Wildpapageien, die diese Transporte überleben, werden sodann von inländischen Händlern als ‚Exportvorräte’ für den weltweiten Papageienhandel zwischengelagert. Eingepfercht in engen Käfigen vegetieren die gefangenen Wildpapageien unter zumeist schlechten hygienischen Verhältnissen dahin. Da ihr Im- munsystem durch den anhaltenden Stress erheblich geschwächt ist, sind sie großen Krankheitsgefahren ausgesetzt. Hinzu kommt, dass sie nicht selten unzureichend ernährt werden.
Besonders leidvoll ist diese Situation für die aus den Nisthöhlen ge- raubten Jungvögel. Ihnen wird nicht nur Schaden zugefügt durch das traumatische Erlebnis der brutalen Gefangennahme, sondern zusätzlich durch die Trennung von den Elterntieren. Aufgrund die- ser Trennung können sie wichtige arteigene Verhaltensweisen, die sie natürlicherweise von den Elterntieren übernehmen, nicht lernen und müssen zudem, um zu exportfähigen Papageien zu werden, häufig die Zwangsernährung der Handaufzucht über sich ergehen lassen.

Der internationale Handel muss ausnahmslos für alle Papagei- enarten, also ungeachtet ihrer jeweiligen Einordnung in die CITES-Anhänge verboten werden, und zwar so schnell wie möglich. Diese Forderung richtet sich in erster Linie an die EU-Behörden und an die Politiker in den EU-Staaten, denn 75% der exportierten Wild- papageien landen auf den Tiermärkten der EU-Staaten. Und gera- de in Deutschland, das innerhalb der EU den größten Markt für Wildpapageien hat, ist es eine dringliche Aufgabe für alle Arten-, Tier- und Papageienschutzorganisationen, aber auch für jeden ein- zelnen Arten-, Tier- und Papageienschützer in dieser Angele- genheit aktiv zu werden oder vorhandene Initiativen zu unter- stützen, um die Politiker für den Arten- und Tierschutz in die Pflicht zu nehmen. Wahlkampfzeiten sind hierfür besonders gut geeignet.

H.H.Braune | 02.08.2002
(1) vgl. Pro Wildlife, Wildtiertransporte & Tierschutz, Dritte Aus- gabe 2001. Steinmetz,M.; u.a., Untersuchungen zur Transport- mortalität beim Import von Vögeln und Reptilien nach Deutschland, Bonn 1998
(Die Artikel ‚Qualen und massenhaftes Sterben‘ und ‚Nestraub ge- fährdet das Überleben von Papageienarten‘ erschienen erstmals in ‚Freiflug, Nr. 4-5/2002. Für die Veröffentlichung in ‚Papageien- schutz aktuell‘ wurden die Artikel überarbeitet.)

 

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