Papageienschutz aktuell-Beiträge

Internet-Zeitung des Papageienschutz-Centrums Bremen e. V.

Nisthilfe für Mönchssittiche in den USA

Die Heimat der Mönchssittiche (Myiopsitta monachus) ist Südamerika. Das Verbreitungsgebiet reicht von Zentral Bolivien bis nach Südbrasilien, Uruguay, Süd- und Zentralargentinien. In den 60er Jahren wurden die Sittiche in großen Mengen als Ziervögel in die USA und nach Westeuropa importiert. Entflogene oder auch bewusst freigelassene Vögel konnten sich dann in vielen Gegenden etablieren. Sie leben in Schwärmen und sind in den USA, aber auch in Belgien, Frankreich Großbritannien, Italien, Niederlande, Portugal, Schweiz und Spanien anzutreffen.

Mönchssittich (Myiopsitta monachus )

Der Mönchssittich ist der weltweit nach den Halsbandsittichen am weitesten verbreitete Neozon. In Deutschland gibt es derzeit keinen frei lebende Bestände des Mönchs- sittiches. Mönchssittiche bauen in Bäumen und Palmen große Gemeinschaftsnester. Sie legen fünf bis sechs Eier, die sie 22 bis 23 Tage ausbrüten. Die Jungen werden nach 42 bis 45 Tagen flügge und in etwa zwei bis drei Wochen nach dem Ausfliegen selbständig. Sie sind die einzigen Papageien, die nicht in Höhlen nisten, sondern in großen Gemeinschaftsnestern. Sie verweben mit Hilfe des Schnabels Stöcke und Zweige zu Nestern, die bis zu 200 Kg wiegen können. Die Nester werden gewöhnlich in 10 m Höhe an Baumstämmen oder Ästen gebaut.
In vielen Gegenden der Vereinigten Staaten benutzen Mönchs- sittiche nicht nur Baumstämme wie in ihrer Heimat sondern auch Strom- und Transformatorenmasten für den Bau ihrer Gemein- schaftsnester. Im November 2005 startete eine lokale Stromge- sellschaft mit der Unterstützung der Behörden mit dem Abriss der Nester an den Strommasten.

Gemeinschaftsnest der Mönchssittiche an einem Transformator

Für die Stromgesellschaften sind die Vögel eine Plage und eine Gefahr für die Öf- fentlichkeit. Durch die Gemeinschaftsnester an den Strom- und Transformatorenma- sten könnten Brände entstehen und es komme vermehrt zu Stromausfällen. In einer Nacht- und Nebelaktion wurden die Papageien gefangen und ihre Nester zerstört. Die Mönchssittiche wurden dem United States Department of Agriculture übergeben, das Sie mit Kohlenmonoxid vergaste.

Die rechtliche Grundlage ist die 1999 von Bill Clinton unter- schriebene „Executive Order on Invasive Species“ das dem Land- wirtschaftsministerium das Recht gibt „invasive“ Arten zu „kon- trollieren“. Seit 2003 werden in Connecticut in einem Gesetz die Mönchssittiche als schädliche Vögel aufgeführt, die vernichtet werden können. Anwohner und engagierte Tierschützer aus dem ganzen Land protestierten. Sie schalteten die Medien ein und klag- ten gegen die Tötung der Tiere vor Gericht.
Die Stromgesellschaft lenkte ein. Insgesamt waren 103 Gemein- schaftsnester zerstört und 179 Mönchssittiche getötet worden. Mit der Hilfe von Foster Parrots Ltd. wurde eine Nisthilfe, ähnlich der Nistplattform für Störche hier bei uns, entwickelt. Die ersten Platt- formen wurden Weihnachten 2005 in Lordship, (Connecticut) aufgestellt.

Die Mönchssittiche in ihrem neuen Zu- hause

Mit Spannung wartete man was geschehen würde. Diese Woche kam die Nachricht: Die Nisthilfen werden angenommen, die ersten Mönchssittiche bauen ihre Nester und ziehen ein.

Erika Olbrich | 18.05.2006
Quellen:
http://invasions.bio.utk.edu/invaders/monk.html http://www.brooklynparrots.com/
Fotos:
Marc Johnson, Foster Parrots Ltd.
(Der Artikel erschien unter dem Titel ‚ Mönchssittiche nehmen Nist- hilfe an‘ erstmals in ‚Beiträge zum Papageienschutz’, Nr. 1/2006.)

 

| Kontakt | Copyright © 2017 Papageienschutz aktuell | Impressum |