Papageienschutz aktuell-Beiträge

Internet-Zeitung des Papageienschutz-Centrums Bremen e. V.

Jugend beraubt Uganda

Die Problematik des Nestraubes ist nicht zu unterschätzen: Seine Folgen und Ausmaße wurden zuletzt in einer Studie der amerikanischen Biologen Catherine Toft und Timothy Wright anhand von Brutversuchen süd- und mittelamerikanischer Papageien dokumentiert. Bei insgesamt 4.200 Brutversuchen wurden 30 % der Nester durch Wilderer zerstört. 4 Papageienarten, darunter auch die bereits vom Aussterben bedrohte Gelbkopf-Amazone, verloren durch menschliche Nesträuber ca. 70 % ihrer Gelege. Auch in vielen afrikanischen Staaten ist der Nestraub eine bevorzugte Vorgehensweise von Wilderern, um der geldbringenden Jungpapageien recht einfach habhaft zu werden.In Uganda, Heimat vieler Graupapageien, hat sich die Uganda Wildlife Authority der Nestraub-Problematik angenommen.
Die Uganda Wildlife Authority ist eine Natur- und Artenschutzbehörde, die im August 1996 gegründet wurde. Sie verwaltet u. a. 10 Nationalparks und 10 Natur-Reservate und berät zu Fragen des Natur- und Artenschutzes. Einer Meldung von New Vision ist zu entnehmen, dass Wilderer Papageien in Uganda zwar illegal jagen, sie aber legal verkaufen können. Die Uganda Wildlife Authority (UWA) stellt für einen solchen Verkauf die Erlaubnis aus. Die Tiere werden zumeist z. B. an Asiaten oder an ständig im Ausland lebende Bürger Ugandas verkauft, die sich um eine entsprechende Erlaubnis bewerben können. Die UWA selbst deklarierte vor 2 Jahren eine Amnestie, die dieses Vorgehen möglich macht. Besonders dramatisch ist die Situation für die Papageien auf Ssese Islands/Viktoria See. Die Wilderer stehlen die Eier der Papageien, die sowohl nach Europa als auch in den Mittleren Osten exportiert werden, um dort aus- gebrütet zu werden. Eunice Mahoro (UWA) sieht eine Möglichkeit zur Eindämmung des Problems in der Erklärung einer neuen Amnestie: Jedem potentiellen Papageienhalter, der diese Tiere kaufen möchte, werden zwei Papageien zugestanden, die mit Mikro- Chips ausgestattet werden, um ihren Aufenthalt kontrollieren zu können. Das sei in der Vergangenheit nicht geschehen. Insgesamt wurden zwischen dem 02. September und Oktober 2000 173 Erlaubnisscheine für 234 Graupapageien ausgestellt. Dr. Arthur Mugisha, Direktor der UWA, vertritt den Standpunkt, dass die Wilderei durch nationale und internationale Gesetze unterbunden werden muss. Die UWA hat sich mittlerweile auch mit der Uganda Revenue Authority in Verbindung gesetzt, um die Kontrolle an den Grenzen und am Entebbe International Airport zu verstärken.
Der folgende Artikel wurde von Linda Barany aus Lubowa/Uganda verfasst. Linda Barany lebt auf einem großen baumreichen Grundstück. Neben Afrikanischen Graupapageien und Braunkopfpapageien haben auch verschiedene Arten von Turacos, Hornvögeln und Fliegenschnäppern in den Bäumen ihres Grundstückes ihren Lebensraum. Vor einigen Monaten bemerkte Linda Barany, dass ein Graupapageien-Paar in einem Kapok-Baum nistete, der innen ausgehöhlt war und über insgesamt drei Eingangslöcher verfügte. Das wenig später geschlüpfte Jungtier nannte sie Polly. Insgesamt wurde sie zweimal Zeugin eines Raubversuches des Kükens, der glücklicherweise durch ihr Eingreifen verhindert werden konnte. Der von ihr verfasste Artikel beschreibt den ersten missglückten Versuch, Polly zu stehlen. Der zweite Raubversuch schlug ebenfalls fehl, indem sie selbst einen Jungen, der mit einem Käfig den Baum erklomm, um so an die Nisthöhle zu gelangen, verjagte.

Tanja Backhaus

Vom Geld angelockt beraubt die Jugend Ugandas das Land eines seiner wertvollsten natürlichen Reichtümer. Zum ersten Mal er- weckten sie mein Interesse, als ich in Lubowa/Uganda auf der Veranda unseres Hauses saß.

Die jungen Männer erklommen, ausgerüstet mit einem Kohlensack und Plastikbeuteln einen Baum in der Nähe unseres Hauses, in dem sich das Nest von Polly befand. Ich lief von der Veranda, um herauszufinden, was sie vorhatten. Ein Jahr zuvor hatten wir einen bewaffneten Überfall erlebt. Doch das war ein Vogel-Raub. Die beiden Männer stopften die Plastikbeutel in die miteinander ver- bundenden Höhlen des speziell ausgesuchten Baumes. Das Küken stand kurz vor der Flugfähigkeit. Dann schnappten sie sich das Jungtier. Normalerweise würden seine Eltern es ein Jahr lang füt- tern und beschützen, bevor es überhaupt in der Lage ist, für sich selbst zu sorgen.

Ich holte meine Digital-Kamera und knippste eine ganze Reihe Photos, dann fuhr ich zur Polizei-Station am Fuße des Hügels. Nachdem er die Bilder geprüft hatte, begleitete der Revier- vorsteher meinen Mann und mich mit unserem Auto den Hügel hin- auf. Die beiden Männer kamen uns mit Polly, die sie in ein T-Shirt gewickelt hatten, entgegen. Dieses Mal wurden die Diebe auf fri- scher Tat ertappt, aber sie wurden am gleichen Tag wieder freigelassen.

Die Uganda Wildlife Authority wurde zu Rate gezogen, aber es dauerte insgesamt zweieinhalb Tage, bis sie antworteten. Ich rief beim Uganda Wildlife Center an und Dr. Josephine war sehr hilf- reich. Sie gab uns einige Tipps für Pollys Fütterung, die sehr gerne vermengte Bananen und Wassermelonen aß. Unser Nachbar zeigte ebenfalls sehr viel Interesse. Dr. Christine aus Makerere war sehr einfühlsam und brachte viele neue Ideen ein. Unser Freund Jimmy kletterte auf den Baum, um Nägel und Säcke zu entfernen.

Unser Sohn genoss zwar die Zeit mit Polly, aber unser Ziel war es, sie wieder in die Freiheit zu entlassen. Zwei einhalb Tage später hörten wir Polly plötzlich im Schlafzimmer piepsen und bemerkten, dass sie mit ihrer Mutter kommunizierte, die sich draußen auf ei- nem Baum aufhielt.

Raub eines jungen Graupapageies aus der Nisthöhle

Ich fragte einen Jungen, ob er bereit wäre auf den Baum zu klet- tern, von dem die Diebe Polly gestohlen hatten. Er setzte sie zu- rück in ihre Nisthöhle und wir warteten ab, ob ihre Mutter wie- derkäme. Nach ca. einer Stunde erschien die Mutter am Nest. Die Eltern begannen erneut, das Jungtier zu füttern.

Jetzt ist Polly wieder in der Wildnis, wo sie hingehört, aber sie ist noch immer gefährdet.

Aber die Regierung muss sich des Problems ernsthaft annehmen oder der Afrikanische Graupapagei wird aus Uganda verschwinden.

Wer wird den Afrikanischen Graupapageien schützen?

Linda Barany | 02.06.2003
(Der Artikel erschien unter dem Titel “Jugend beraubt Uganda‘ erstmals im ‚Freiflug’, Nr. 7/2003 .)

 

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