Papageienschutz aktuell-Beiträge

Internet-Zeitung des Papageienschutz-Centrums Bremen e. V.

Vogelgrippe – der Schrecken der Zukunft?

Zur Zeit häufen sich die Meldungen über den Ausbruch der Vogel- grippe, so dass dieses Thema aktuell bleibt. In Peking starb erst kürzlich eine junge Frau an einer Infektion durch das Vogel- grippevirus H5N1. Im indischen West-Bengalen brach die Krankheit jetzt zum wiederholten Male bei infiziertem Geflügel aus und erst vor ein paar Tagen starben zwei weitere junge Frauen und ein sechzehnjähriger Schüler in China an der Vogelgrippe, nachdem sie Kontakt mit infiziertem Geflügel hatten. Derzeitig treibt die Vogelgrippe auch in Deutschland ihr Unwesen, wo im Kreis Clop- penburg in mehreren Geflügelbetrieben der Erreger H5N3, eine noch ungefährlichere Variante des H5N1-Erregers, entdeckt wurde. Die begründete Angst vor einer möglichen genetischen Ver- änderung des Erregers, die das Vogelgrippevirus von Mensch zu Mensch übertragbar machen und somit eine weltweite Epidemie auslösen könnte, bleibt also ständig gegenwärtig.

Die auch als Geflügelpest bekannte Vogelgrippe, deren wissen- schaftliche Bezeichnung aviäre Influenza lautet, ist eine durch Influenzaviren verursachte Infektionskrankheit, die weltweit unter Vögeln verbreitet ist. Sehr unterschiedliche Virenstämme sind für diese Erkrankung verantwortlich, darunter ist der bekannteste das hoch ansteckende H5N1 Vogelgrippevirus, das auch schon in eini- gen Fällen beim Menschen Infektionen und sogar Todesfälle her- vorgerufen hat. „Da auch Menschen an aviärer Influenza erkran- ken können, ist sie ein wichtiges gesundheitspolitisches Thema“, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betont (1).

Der Erreger H5N1

Die Abkürzungen H und N stehen für die beiden wichtigsten Ei- weiße der Virushülle, dem Hämagglutinin (griech. Häm: Blut; lat. Agglutinare: aneinander kleben) und der Neuramidase. Beim Hä- magglutinin handelt es sich um ein Protein in der Membranhülle, das die Eigenschaft hat, rote Blutkörperchen zu verklumpen. Neuramidase ist eine Familie von Enzymen, die häufig in Viren, Bakterien, anderen Einzellern und Parasiten sowie Pilzen zu finden sind und eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der Erreger spielen. Es gibt unterschiedliche Varianten des Vogelgrippevirus, die „durchnummeriert“ sind. Das H5N1 Virus gilt als sehr gefähr- lich, da es alle wichtigen Organe des Körpers zerstört. Es nistet sich zuerst in der Lunge ein und breitet sich dann im ganzen Kör- per aus. Am Ende zerstört das Virus Herz, Leber und Gehirn und tötet so infizierte Vögel innerhalb kurzer Zeit. Die Überlebensdauer des H5N1 Virus ist von Ort und Temperatur abhängig und somit recht unterschiedlich. Bei normalen sommerlichen Tagestem- peraturen von ca. 20° C können Viren, die an Oberflächen ange- trocknet sind, etwa zwischen zwei bis acht Stunden überleben. Bei 22° C hält das Virus sich in Exkrementen und Geweben ver- storbener Tiere sowie auch im Wasser bis zu vier Tage. Oberhalb von 22° C verringert sich seine Existenzfähigkeit allerdings schon erheblich, ab 70° C stirbt es ganz ab. Bei kälteren Temperaturen um 0° C kann es schon etwa 30 Tage überleben und im Eis bleibt das Virus unbegrenzt infektiös.
Die hauptsächliche Bedrohung, die von diesem Erreger ausgeht, ist die Möglichkeit einer Mutation – das heißt, das Erbgut des H5N1 Vi- rus könnte sich so verändern, dass es leicht von Mensch zu Mensch übertragbar wäre und somit eine Pandemie auslösen könn- te. Bei einer Pandemie handelt es sich um eine weltweite Epide- mie, die viele Millionen Tote zur Folge haben könnte. Ausgelöst durch einen neuartigen Influenzavirus, kann die Infektion schwere Erkrankungen hervorrufen und sich schnell von Mensch zu Mensch verbreiten. Das menschliche Immunsystem ist in so einem Fall nicht auf die neue Variante des Virus vorbereitet und kann daher auch keine entsprechenden Schutzmechanismen aktivieren. Aus der Vergangenheit sind schon Influenzapandemien mit ihren schrecklichen Auswirkungen bekannt, wobei die spanische Grippe im Jahr 1918 mit weltweit zwischen 20 Millionen und 50 Millionen Toten als die schlimmste dieser Seuchen galt.
Untersuchungen von Proben haben ergeben, das sich die westliche Variante des H5N1-Virus von der aus Asien wesentlich unter- scheidet. Dennoch haben Virentypen aus Europa, Afrika und dem Nahen Osten trotz der erheblichen Unterschiede zu dem asiati- schen Typus wahrscheinlich einen gemeinsamen Ursprung in Asi- en, da die Proben auch gemeinsame Merkmale gezeigt haben.

Übertragungsweg des Virus

Das Vogelgrippevirus wird wie viele andere Erreger auch über Kot, Blut oder die Atemwege übertragen. Besonders die Geflügel- haltung begünstigt eine Übertragung, da Geflügelfutter aus Tier- abfällen infizierte Gewebereste enthalten kann. Besonders häufig verbreitet sich das Virus aber über den Kot, denn wo viele Tiere auf engstem Raum zusammen leben, gibt es immer wieder den Kontakt mit den Ausscheidungen. Die Exkremente können an Schuhen, Kleidung oder auch Autoreifen haften bleiben und wer- den so in andere Geflügelbestände übertragen.
Bei Hausgeflügel führt eine Infektion mit dem H5N1 Erreger schnell zum Ausbruch der Vogelgrippe und meist auch zum schnellen Tod der Tiere. Tauben können das Virus über das Gefieder weiter verbreiten, erkranken selbst aber meist nicht. Ebenso verbreiten Wildvögel durch den Vogelzug als Wirtstiere oftmals den Erreger, ohne selbst entsprechende Krankheitssymptome aufzuweisen. Bisher gab es nur sehr wenige Fälle von Übertragungen auf Säu- getiere mit Ausnahme von Katzen, so wurden bisher Fälle von Ansteckungen bei Schweinen, Hunden, Pferden, Steinmardern und auch vereinzelt beim Menschen bekannt. Bei Katzen wurde das Vogelgrippevirus viel häufiger gefunden, da diese sich unter an- derem von toten Vögeln ernähren, wodurch der Kontakt zum Er- reger vorprogrammiert ist.
Der Mensch steckt sich nur selten beim Geflügel mit dem Erreger an, aber wenn dies passiert, verläuft die Krankheit dann auch meist tödlich. Die Übertragungsgefahr ist bei Personen, die eng mit Geflügel zusammen leben und dieses schlachten erhöht. Eine Übertragung des Vogelgrippevirus von Mensch zu Mensch konnte bisher noch nicht nachgewiesen werden Herkömmliche Grippeviren setzen sich in den oberen Atemwegen fest, Vogelgrippeviren da- gegen in den unteren Atemwegen. Durch Husten und Niesen werden aber nur Viren aus den oberen Atemwegen freigesetzt, so dass das H5N1 Virus über diesen Weg nicht verbreitet werden kann. Nicht allzu strenge Vorsichtsmaßnahmen im Umgang mit nur scheinbar gesundem Geflügel begünstigen aber das Risiko einer Übertragung auf den Menschen.

Die Symptome der aviären Influenza

Vögel, die an der aviären Influenza erkrankt sind, fallen zunächst durch Apathie und Appetitlosigkeit auf, ihr Federkleid wirkt stumpf und struppig. Hohes Fieber, Atemwegprobleme, sowie Schwel- lungen aufgrund von Flüssigkeitsstauung am Kopf, Hals, Kamm, Kehllappen, an den Beinen und Füßen sind weitere auffällige Symptome für den Ausbruch der Krankheit. Typisch ist auch eine Blaufärbung von Haut und Schleimhäuten sowie wässriger, grün- licher Durchfall. Die motorische Koordination ist gestört und die von den Vögeln gelegten Eier sind dünnwandig oder sogar ohne Schale, wobei die Legeleistung selbst sehr eingeschränkt ist.
Beim Menschen treten nach einer Infektion mit dem Vogel- grippevirus etwa zwei bis fünf Tage, manchmal auch bis zu 14 Tage später, grippeähnliche Symptome auf.

Der Unterschied zwischen einer Standardgrippe und der Vogel- grippe lässt sich zunächst nicht erkennen, hier ist zur Abklärung eine Blutuntersuchung erforderlich. Erste Anzeichen sind hohes Fieber, Husten, Atemnot und Halsschmerzen. Weiterhin kann es oft zu Magen-Darm-Beschwerden, Durchfall, Lungenentzündungen und einer Erhöhung der Leberwerte kommen. Die Lungenentzündung kann zum akuten Lungenversagen und damit zum Tod führen. In manchen Fällen versagen die Nieren, wodurch schließlich mehrere Organe ihre Funktion einstellen und damit unweigerlich den Tod herbeiführen.

Die geographische Verbreitung des Vogelgrippevirus

Die Vogelgrippe wurde mit ihren typischen Symptomen erstmals 1878 in Italien als Tierkrankheit beschrieben, die man zu diesem Zeitpunkt aber noch keinem Virus zuordnen konnte, da die Exi- stenz von Viren nicht erforscht war. Die Seuche breitete sich nach Europa, Amerika und Asien aus und nach den 1930er Jahren verschwand das Virus für einige Zeit, tauchte aber erstmals wieder 1983 in Irland und den U.S.A. auf. Millionen von Vögeln mussten damals getötet werden. Im Jahr 1992 bricht die Vogelgrippe auch in Mexiko aus, während sie 1997 in Hong Kong auftaucht, wo 18 Menschen erkranken und sechs davon sterben.
Schließlich verbreitet sich die Seuche 1999 wieder in Italien, wo bis zum Jahr 2001 mehr als 13 Millionen Vögel getötet werden.
Mit dem H7N7-Virus, einer Variante des Vogelgrippe-Erregers, infizieren sich 2003 etwa 83 Menschen in den Niederlanden, von denen einer stirbt – die Krankheit breitet sich nach Belgien aus und auch in Deutschland gibt es wenig später einen Fall von Geflügel- pest in einem Masthuhnbetrieb in Nordrhein-Westfalen. Ende 2003 verbreitet sich das gefährliche H5N1 Virus wieder in Asien, zu- nächst in Südkorea, während 2004 besonders Vietnam, China, Thailand, Indonesien, Kambodscha und Malaysia betroffen sind. Japan blieb seit 2004 von dem Virus verschont, da das Land seitdem strenge Kontrollmaßnahmen bei Geflügelimporten durch- geführt hatte. Dort tauchte das H5N1 Virus erst 2007 wieder in einem Geflügelbetrieb mit einer Größenordnung von etwa 12.000 Tieren auf. Japan liegt im Gebiet von Vogelzügen aus Südchina und anderen Gebieten, aus denen mehrere Ausbrüche der In- fektion bekannt waren. Aber auch Geflügeltransporte, kontami- nierte Transportbehälter und verseuchter Abfall kommen als Ursache für die Ausbreitung in Frage.
In Afrika tritt das Virus erstmals 2006 in Nigeria auf und auch hier sind nicht nur Zugvögel für die Übertragung der Vogelgrippe ver- antwortlich. Nigerianische Geflügelfarmen importieren beispiels- weise Bruteier aus dem Ausland. Zwar ist die Geflügelzucht nach dem Erdöl der zweitwichtigste Wirtschaftsfaktor des Landes aber zuverlässige Importkontrollen gibt es dort nicht. Danach tauchte das Virus auch noch in weiteren Gebieten Afrikas auf.
Im Sommer 2005 tritt H5N1 erstmals im asiatischen Teil Russlands auf, während es dann gegen Ende des Jahres auch in Europa Einzug hält. Hier breitet es sich zunächst in Rumänien, Kroatien und der Türkei aus, befällt aber schließlich auch Polen, Ungarn, die Slowakei, Slowenien, Bulgarien, Albanien und Serbien. Der hef- tigste Ausbruch der Vogelgrippe ereignete sich Anfang 2006 in Aserbaidschan am Kaspischen Meer, wo etwa 300.000 Zuchttiere getötet worden sind. Untersuchungen, die hauptsächlich an Proben aus Südostasien vorgenommen wurden, zufolge gelangte das H5N1 Virus von dort möglicherweise über einen einzigen Weg nach Westen

Die Vogelgrippe in Deutschland

Auf der Insel Rügen wurden Anfang 2006 tote Schwäne entdeckt, die mit dem für Menschen gefährlichen H5N1-Virus infiziert waren, was man durch einen Schnelltest herausfand. Es gab danach viele weitere Vogelgrippefälle auf der Insel, so dass Mitte Februar der Katastrophenalarm ausgerufen wurde.

Bundesweit ist wieder die Stallpflicht für Geflügel eingeführt worden, während Geflügelmärkte generell verboten wurden. Zu dem Zeitpunkt wurde H5N1 allerdings auch auf dem Festland in Mecklenburg-Vorpommern gefunden.
Gegen Ende Februar folgten schließlich mit Schleswig Holstein und Baden-Württemberg weitere betroffene Bundesländer, in denen der Erreger bei Wildvögeln festgestellt wurde.
In Brandenburg waren ein Schwan und eine Ente an der Vogel- grippe erkrankt. Auf der Insel Rügen wurde eine Infektion mit dem H5N1-Erreger erstmalig bei einem Säugetier, nämlich bei einer Katze, festgestellt und auch in Bayern hielt die Krankheit Einzug. Auf Grund des Vogelgrippefalles bei der Katze auf Rügen beschloss der Nationale Krisenstab von Bund und Ländern für Tierseuchen strengere Schutzmaßnahmen, die verlangten, dass Hunde draußen angeleint sein und Katzen im Haus bleiben mussten. Anfang März 2006 wurde die Vogelgrippe erstmals bei einem Tier in einer Großstadt, dem baden-württembergischen Mannheim, festgestellt. Schließlich erreichte das Virus Niedersachsen, in Walsrode wurde eine infizierte Wildgans entdeckt. Bundesweit traten auf Grund dieser besorgniserregenden Entwicklung strengere Schutz- vorschriften in Kraft. Im Jahr 2006 wurde das Vogelgrippe-Virus H5N1 dann zuletzt im August bei einem Schwan im Dresdner Zoo nachgewiesen. Zehn Monate später trat die tödliche Seuche erneut in Deutschland auf – in Nürnberg verendeten mehrere Wasser- vögel, die mit dem H5N1-Virus infiziert waren und deren Kadaver man in den Seen des Stadtgebietes entdeckt hatte. Im Juli 2007 wurden Fälle von Vogelgrippe bei Wildvögeln bekannt, so bei einem Vogel auf der Insel Riems und bei 38 Tieren in Sachsen-Anhalt. Im August wurden 160.000 Enten in Bayern nahe Erlangen in einem Zuchtbetrieb getötet, nachdem dort bei verendeten Tieren der Erreger H5N1 nachgewiesen wurde. Etwa 205.000 Enten mussten im September ebenfalls im Bundesstaat Bayern ihr Leben lassen, nachdem bei Zulieferbetrieben tote Vögel mit dem Virus gefunden wurden. Im Oktober 2008 wurde der seit Ende 2007 erste bekannte Fall von Vogelgrippe, wieder ausgelöst durch den Erreger H5N1, in einem Geflügelbetrieb in Sachsen festgestellt. Im Rahmen einer regelmäßigen Untersuchung von Wildvögeln fand man in Deutschland bisher im Jahr 2008 keinen nachweisbar in- fizierten Wildvogel, während 2007 insgesamt mehr als 320 Fälle von Vogelgrippe bei Wildvögeln registriert wurden. Seit März 2008 wurden im übrigen Europa keine Ausbrüche der H5N1-Infektion mehr festgestellt, der letzte Fall ereignete sich im Februar 2008 in der Schweiz bei einem Wildvogel. Vogelgrippe-Erkrankungen beim Menschen sind in Deutschland bisher nicht bekannt geworden.
Doch schon Ende 2008 hat die Vogelgrippe in Deutschland wieder zugeschlagen – im niedersächsischen Kreis Cloppenburg mussten schon Mitte Dezember 180.000 Puten auf Grund der schnellen Aus- breitung der Infektionskrankheit, diesmal ausgelöst durch die für den Menschen bislang ungefährliche Variante H5N3, getötet wer- den. Mittlerweile ist schon die Rede von 440.000 getöteten Tieren (2) – bei einem großflächigen Ausbruch der Infektion wäre das Bundesland Niedersachsen mit einem Bestand von etwa 90 Milli- onen Stück Geflügel extrem betroffen. Schon jetzt geht der durch den Ausbruch der schwächeren Variante der Vogelgrippe ausge- löste wirtschaftliche Schaden in die Millionen.

Einfuhrverbot von Wildvögeln als Schutzmaßnahme der EU

Ende 2005 hatte die europäische Union als Reaktion auf die Vogelgrippe zunächst ein vorläufiges Einfuhrverbot von Wildvögeln erlassen, da der weltweite Handel mit Wildvögeln als erheblicher Risikofaktor für den Ausbruch einer Vogelgrippe galt. Diese Annahme wurde durch die Entdeckungen von geschmuggelten Wildvögeln, die mit dem Vogelgrippevirus infiziert waren, bestätigt. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Europäische Union mit ca. 87 % der weltweit größte Vogelimporteur. Jährlich wurden fast zwei Millionen Vögel importiert, was für die Tiere auf Grund des Fangs, der unzumutbaren Transporte und der nicht artgerechten Haltung mit großem Leiden verbunden war. Eine weitere Folge dieser Um- stände ist die Tatsache, dass viele Vogelarten mittlerweile als ge- fährdet gelten oder sogar vom Aussterben bedroht sind. Im Januar 2007 wurde auf Grund der Ergebnisse einer von der EFSA durchgeführten Studie zu den Tiergesundheits- und Tierschutz- risiken bei der Einfuhr von Wildvögeln (3) ein dauerhaftes Import- verbot für Wildvögel beschlossen, das schließlich am 01.07.2007 in Kraft trat.

Die EFSA ist die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit und stellt in diesem Bereich die ausschlaggebende Einrichtung für die Risikobewertung der Europäischen Union dar. Sie arbeitet eng mit nationalen Behörden und betroffenen Interessengruppen zu- sammen und bietet eine unabhängige wissenschaftliche Beratung an.

Impfung contra Keulung

Das Geflügel, welches als Überträger des Vogelgrippevirus gilt, darf in Europa nicht geimpft werden, obwohl es einen Impfstoff gegen die Infektion gibt und auch ständig neue Impfstoffe ent- wickelt und getestet werden. Innerhalb der europäischen Union gilt jedoch ein Impfverbot, das die EU damit begründete, dass es keine sichere und schnelle Möglichkeit gebe, geimpfte von kranken Tieren zu unterscheiden.

Die Impfstoffe aktivieren bei den Tieren die gleichen Antikörper wie das Virus selbst. In Asien hingegen wird das Geflügel geimpft, jedoch wird die Frage, ob eine Impfung großer Geflügelbestände als einzig wirkungsvolle Schutzmaßnahme gegen die Vogelgrippe zu sehen ist, kontrovers diskutiert. So haben amerikanische Wissenschaftler diese Vorgehensweise als untauglich bezeichnet, da durch die Impfung des Geflügels zwar das Auftreten von Krankheitssymptomen verhindert aber das Virus dennoch weiter aktiv bleiben würde Es könnte sich nach wie vor schnell auf nicht geimpftes Geflügel übertragen. Das heißt, dass die Impfung zwar die Erkrankung der Tiere unterbindet und zu geringerer Aus- scheidung des Virus führt, letzteres aber nicht völlig verhindern kann. Daher besteht das Risiko, dass sich der Erreger nach Be- handlung mit den herkömmlichen Impfstoffen unerkannt und somit unkontrolliert weiterverbreitet. Dagegen sprechen allerdings die sogenannten Markerimpfstoffe, die ein Antikörperprofil erzeugen, dass sich von dem des natürlichen Virus unterscheidet, so dass die Differenzierung zwischen geimpften und infizierten Tieren letztlich doch möglich ist. Doch bisher ist kein Impfstoff von der EU zu- gelassen, so dass auch die Markerimpfstoffe nicht eingesetzt werden können. Stattdessen werden infizierte und verdächtige Bestände getötet und unschädlich beseitigt – dieser Vorgang wird als Keulung bezeichnet.
Keulung ist ein veralteter Begriff, der ursprünglich „mit der Keule niederschlagen“ bedeutete. Heute wird Geflügel beispielsweise mit Kohlendioxid erstickt. Wann eine solche Tötung veranlasst wird, regelt in Deutschland das Tierseuchengesetz. Innerhalb einer ein- gerichteten Sperrzone kann jederzeit – auch nur bei Verdacht auf eine Vogelgrippeinfektion! – der gesamte Tierbestand auf Grund einer Anordnung getötet werden. Das Geflügel wird in solchen Ver- dachtsfällen einfach ohne vorhergehende Untersuchung „vorsorg- lich“ mit Gas oder auf andere Weise getötet, was unter dem Aspekt des Tierschutzes nicht tragbar ist und letztlich auch hohe wirtschaftliche Schäden anrichtet. Obwohl in Verdachtsfällen ja auch die sogenannte Stallpflicht für die Tiere angeordnet wird, um eine mögliche Ausbreitung der Infektion zu verhindern, finden massenweise Keulungen ohne vorhergehende Untersuchungen statt.

Das Risiko einer Vogelgrippe-Pandemie

Laut Statistik der Weltgesundheitsorganisation erkrankten bisher weltweit 393 Menschen an der durch das Virus H5N1 ausgelösten Vogelgrippe, davon starben 248 Personen an der Krankheit, die ganz aktuellen Fälle aus diesem Jahr noch nicht mitgerechnet. Die Entwicklung seit dem Ausbruch der Vogelgrippe in Südostasien Ende 2003 zeigt die Notwendigkeit, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene so schnell wie möglich Vorkehrungen für den Fall einer Pandemie zu treffen
Die Weltgesundheitsorganisation hat das Risiko einer Vogelgrippe-Pandemie in sechs verschiedene Phasen eingeteilt, wobei wir uns zurzeit in Phase 3 befinden, die zur „pandemischen Warnperiode“ zählt. Das heißt, es gibt zwar menschliche Infektionen mit H5N1 aber eine Ausbreitung von Mensch zu Mensch konnte derzeit noch nicht nachgewiesen werden. Jedoch könnte eine genetische Ver- änderung des Virus jederzeit einen neuen Subtyp des H5N1 Virus hervorbringen, der leicht von Mensch zu Mensch übertragbar ist und damit die gefürchtete weltweite Epidemie auslösen könnte. Mitte 2006 wurde ein neuer Subtyp des H5N1 Virus in China nachgewiesen, wo 21 Personen erkrankten, ohne dass parallel dazu entsprechende Erkrankungen bei Tieren festgestellt werden konnten. Hier besteht der Verdacht, dass die Standard-Impfungen von Geflügel gegen das Vogelgrippevirus die Entstehung des neuen Subtyps begünstigt haben. Wahrscheinlich erlangten nicht alle Tiere eine vollständige Immunität durch die Impfung, so dass sich die Viren in geimpften Tieren verbreitet und durch genetische Veränderung an deren veränderte Immunabwehr angepasst haben.
„Das Risiko einer Pandemie wird maßgeblich davon beeinflusst, wie weit ein Virus verbreitet ist, das das Potential für eine weitere Anpassung an den Menschen und damit der Entstehung eines neuen Pandemievirus besitzt. Insofern bedeutet jeder neue Fund des Erregers eine gewisse Erhöhung des Risikos. Wichtiger als ein- zelne Erkrankungen bei Wildvögeln (mit denen Bürger normaler- weise keinen Kontakt haben) oder einzelne Ausbrüche in Nutztier- beständen in Industrieländern sind große Ausbrüche bei Geflügel in Regionen mit engem Kontakt zwischen Geflügel und Mensch, ins- besondere in Südostasien.“ (4)

A.Koch | 05.02.2009
(1) „Grippe und Vogelgrippe“, Weltgesundheitsorganisation (WHO) Europa (www.euro.who.int)

(2) „Das massenhafte Töten muss ein Ende haben“, Weser-Kurier, 09.01.2009
(3) EFSA = European Food Safety Authority (www.efsa.europa.eu)
(4) „Einschätzung des Robert Koch-Instituts zur Situation der Vogelgrippe (aviäre Influenza)“, Robert Koch-Institut, Aktualisierung vom 29.10.2008 (www.rki.de)

Quellen:
www.vogelgrippe.es
www.vogelgrippe-seuche.de
www.euro.who.int und www.who.int (Websites der Weltgesundheitsorganisation)
www.rki.de (Website des Robert Koch-Instituts)
www.3sat.de
www.focus.de (Website Focus online)
www.presseportal.de
Pressemitteilung der ‘Aktion Tier – Menschen für Tiere e.V.’ (www.aktiontier.org)
www.buendnis-gegen-keulung.de

 

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