Papageienschutz aktuell-Beiträge

Internet-Zeitung des Papageienschutz-Centrums Bremen e. V.

Lebenskünstler Blaukopfara – wie gefährdet ist sein Bestand?

Die „International Union for Conservation of Nature (IUCN, Inter- nationale Union für die Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen) erstellt regelmäßig die Rote Liste gefährdeter Arten. Tierarten werden in verschiedene Kategorien eingestuft. Dabei ist die höchste Stufe „vom Aussterben bedroht“, gefolgt von „stark gefährdet“, „gefährdet“ bis „potenziell gefährdet“. Die Einstufung in der Roten Liste erfolgt anhand von Bestandszahlen. Aber wie zuverlässig sind die Daten, die über den Bestand einer Tierart vorliegen? Manchmal sind es sehr spärliche Informationen, die der Einstufung zugrunde liegen. Diese Kritik wurde auch im Hinblick auf den Blaukopfara geäußert. Lange Zeit lagen über die Popu- lationsgröße, den Verbreitungsraum und die Verhaltensweisen des Blaukopfaras (Primolius couloni) nur relativ wenige Informationen vor. Auf Basis dieser wenigen Daten wurde er 2005 in der Roten Liste noch als „stark gefährdet“ aufgeführt. Im Jahre 2009 wurde die Einschätzung der Bedrohungssituation für den Blaukopfara in die Kategorie „gefährdet“ geändert (Tabelle 1). Maßgeblich für die Herabstufung war die Forschungsarbeit von Joseph A. Tobias von der University of Oxford, Großbritannien, und Donald J. Bright- smith von der University Durham, North Carolina, USA. Sie publizierten 2007 in der Fachzeitschrift Biological Conversation (1) eine ausführliche Übersichtsarbeit mit Daten, die sie aus einer großen Zahl von Beobachtungen zusammengetragen haben. Ihre Ergebnisse stellen bisherige Annahmen über den Blaukopfara in Frage. Letztlich haben ihre Forschungen auch eine Diskussion über die wissenschaftliche Bewertung von Daten, die als Basis der Rote- Liste-Einstufung dienen, ausgelöst (siehe Tabelle 1). Im Folgenden sollen die wichtigsten Ergebnisse der Übersichtsarbeit über den Blaukopfara dargestellt werden.

Merkmale des Blaukopfadlers

Der Blaukopfara, auch als Gebirgsara bezeichnet, gehört mit einer Größe von rund 41 cm zur Gattung der Kleinaras. Sein Kopf ist blau, der Körper grün gefärbt. Flügeldecken und Handschwingen sind ebenfalls blau. Die Schwanzfedern sind rotbraun mit bläu- lichen Spitzen, ihre Unterseite ist von gelb-grünlicher Färbung.

Blaukopfara (Primolius couloni) (2)

Der Bereich zwischen Augen und Schnabel ist nackt und schwarz gefärbt. Der Schna- bel selbst ist schwarz und geht zur Spitze hin in eine hellgraue Färbung über.

Männliche und weibliche Tiere unterschei- den sich äußerlich nicht voneinander. Jung- vögel weisen im Gegensatz zu erwachsenen Tieren einen komplett schwarzen Schnabel und schwarze Füße auf.

Verbreitung und Lebensraum

Der Blaukopfara ist vorwiegend im südlichen Teil Perus sowie in geringerem Maße auch in Nord-Bolivien und im Westen Brasiliens anzutreffen (Abbildung 2). Die hier beschriebenen Daten basieren auf Beobachtungen an insgesamt 61 Orten, die hinsichtlich Lebens- raumnutzung, Saisonabhängigkeit, Gruppengrößen, Demographie und Populationsdichte ausgewertet wurden. Daraus geht hervor, dass der Verbreitungsraum (Extent of Occurrence) des Blaukopf- aras eine Größe von 460.000 km2 aufweist und damit um 60 % größer ist als bisher angenommen. Dennoch ist sein tatsächliches Verbreitungsgebiet vermutlich eher noch größer, da Bestände aus verschiedenen Gründen unterschätzt werden und die Tiere bei einer begrenzten Anzahl von Beobachtungen manchmal nicht er- fasst werden konnten. Hinzu kommt, dass nur unzureichende Daten aus der Region von Acre in Brasilien vorliegen. Mehr als 90 % der Gesamtfläche sind bewaldet und nur in wenigen Gebieten bestehen Störeinflüsse wie es im Umkreis der größten Stadt der Region, Puerto Maldonado, Peru, und zwischen Inapari und Rio Branco in Brasilien der Fall ist. Offenbar lässt sich der Blaukopfara von menschlichen Ansiedlungen nicht so leicht verdrängen, da er auch in Randgebieten von Städten zu finden ist.Wenngleich der Blaukopfara auch als „Gebirgsara“ bezeichnet wird, finden sich größere Bestände der Vögel nicht nur in höheren Lagen von Ge-

in Auenwäldern, Sumpfgebieten als auch in Gebieten mit festem Boden und in Übergangsgebieten ansiedelt.

Der natürliche Lebensraum des Blaukopfaras (4)

Es ist davon auszugehen, dass der Blau- kopfara in den Anden auf einer Länge von 2000 km  zwischen dem Cordillera Azul Nationalpark in Peru und der peruanisch-bolivianischen Grenze anzutreffen ist. Sein Lebensraum von der Ebene bis in höhere Lagen, in denen er beob- achtet wurde, umfasst große Areale abgeschiedenen und uner- forschten Terrains.

Nutzung von Lehmlecken

Wie andere Papageienarten auch, nutzt der Blaukopfara Lehm- lecken, wo er Erdkrumen aufnimmt und sich hiermit vermutlich Mi- neralstoffe zuführt, die mit weiteren Bestandteilen aus dem Boden zur Neutralisierung von Giftstoffen in seiner Nahrung beitragen. Unbekannt ist, warum die Nutzung von Lehmlecken regional und saisonal variiert. Während er an einigen Lehmlecken eher selten anzutreffen ist, ist er beispielsweise an der Minerallecke zwischen Rio Urubamba und oberem Rio Madre de Dios ein häufiger Gast.

Lehmlecke im Naturschutzgebiet Tambopata / Rio Madre de Dios, Peru (5)

An der großen Lehmlecke nahe dem Tam- bopata Research Center hat sich die Popu- lation des Blaukopfaras deutlich er höht. In den Jahren 2000 und 2001 wurde der Blau- kopfara hier an weniger als 10 % der Vor- mittage gesehen oder gehört, wohingegen er im Jahre 2005 an über 55 % der Vormittage anwesend war. Dieser Anstieg könnte im natürlichen Absterben Hunderter von Hektar Bambus im um- liegenden Wald begründet sein. Hierdurch sind große Gebiete mit niedrigem Gestrüpp, Kletterpflanzen und Sekundärwald entstan- den, die das Nahrungsangebot für den Ara möglicherweise ver- bessert haben. Interessanterweise nutzt der Blaukopfara die Lehmlecke in der Zeit von Juni bis Dezember sehr häufig, also während der Trockenzeit und dem Beginn der Regenzeit, während seine Besuche danach abnehmen und am Ende der Regenzeit von April bis Ende Mai einen Tiefstand erreichen. Dieses Muster ist auch von anderen Papageienarten bekannt, wobei bis heute nicht geklärt, ist, ob diese Fluktuation auf saisonale Schwankungen der Populationsgröße und das Brutverhalten zurückzuführen ist oder aus einem variierenden Nährstoffbedarf resultiert.

Unter Berücksichtigung der saisonalen Schwankungen erlaubt die Beobachtung der Vögel an den Lehmlecken Rückschlüsse auf die Populationsdichte und den Verbreitungsraum. Die Nutzung von Lehmlecken ist aber auch aus Sicht des Bestandsschutzes ein wichtiger Aspekt: Denn Papageien, die traditionelle Stellen nutzen, sind besonders gefährdet, weil sie ohne verstärkten Schutz relativ leicht eingefangen werden können.

Schwarmverhalten

Blaukopfaras galten bisher als wenig gesellig; zumeist wurde berichtet, dass sie paarweise oder zu dritt auftreten. Damit wurde ihre Neigung, Schwärme zu bilden, aber offenbar unterschätzt. So zeigen die in der Arbeit von Tobias und Brightsmith zusammen- getragenen Beobachtungen, dass an 13 verschiedenen Orten Gruppen mit 10 oder mehr Tieren gesehen wurden und die größten Schwärme sogar aus ca. 60 bzw. 53 Tieren bestanden. Schwärme mit vier oder mehr Vögeln wurden im gesamten Verbreitungs- gebiet regelmäßig beobachtet und machten 32 % der 136 be- richteten Sichtungen der Vögel aus. Große Gruppen von Blau- kopfaras sind also regelmäßig zu beobachten, wobei sie in kleinen Gruppen insgesamt wesentlich häufiger anzutreffen sind. So zeig- ten verschiedene frühere Beobachtungen je nach Region und Jah- reszeit durchschnittliche Gruppengrößen von 2 bis 4 Blaukopfaras.

Tabelle 1: Auszug aus dem BirdLife Fact Sheet 2010 (3)

Fakten: 2010 IUCN Rote Liste Status: gefährdet
Familie: Psittacidae (Papageien
Autor der Spezies-Bezeichnung: P.L.Slater, 1876
Geschätzte Populationsgröße: 9.200 – 46.000 erwachsene Tiere
Populationstrend: abnehmend
Geschätztes Verbreitungsgebiet: 373.000 qkm
IUCN Rote-Liste-Einstufung: gefährdet C2a(i)
Rote-Liste-Geschichte: 2009 gefährdet
2008 stark gefährdet
2005 stark gefährdet
2004 gering gefährdet

birgsausläufern sondern auch in der Ebene weit entfernt vom Fuß der Anden. Dies bestätigen die Beobachtungen der zwei größten Schwärme: Ein Schwarm mit ca. 60 Vögeln lebt auf 850 m Höhe, ein anderer mit 53 Vögeln siedelte in einer Höhe von nur 250 m. Der Blaukopfara ist keineswegs nur in Waldgebieten anzutreffen, sondern lebt in vielen verschiedenen Vegetationszonen. Häufig ist er an Waldrändern und Lichtungen zu finden; auch in größeren Entfernungen von fließenden Gewässern wurde er beobachtet. Während früher vermutet wurde, dass er bevorzugt an Flussufern lebt, deuten die aktuelleren Daten darauf hin, dass er sich sowohl

Brutverhalten

Berichten zum Brutverhalten und zur Reproduktionsrate des Blaukopfaras zufolge ist seine Reproduktionsrate in freier Wildbahn eher gering. Allerdings basieren diese Aussagen auf nur wenigen Daten. Eine Übersicht über Aufzeichnungen zum Brüten von Papageien im südöstlichen Peru führte keine Daten für den Blaukopfara auf, hingegen wurde über 55 Nester des hellroten Ara (Ara macao) und 75 Nester des Gelbbrustaras (Ara ararauna) berichtet.

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