Papageienschutz aktuell-Beiträge

Internet-Zeitung des Papageienschutz-Centrums Bremen e. V.

Illegaler Handel mit Papageien in Mexiko

Rückgang der Papageien-Exporte

Der illegale Handel mit Papageien in Mexiko stellte in den letzten Jahrzehnten ein nicht zu unterschätzendes Problem dar und ist als Hauptursache für die Bedrohung der 22 dort heimischen Papa- geienarten zu sehen.

Eine Befragung der Papageienfänger und Vertreter ihrer Ver- einigungen ergab, dass jährlich schätzungsweise zwischen 65.000 und 78.000 Papageien gefangen werden. Die Mehrheit dieser Tiere bleibt jedoch innerhalb der Landesgrenzen und wird dem dortigen Haustiermarkt zugeführt. Lediglich ein kleiner Prozentsatz dieser Papageien, der zwischen 4% und 14% liegt, wird in die Vereinigten Staaten von Amerika geschmuggelt. Diese Zahl schließt auch Papageienarten mit ein, die ausschließlich für den Haustiermarkt in den USA vorgesehen sind. Einige davon stammen sogar aus Zentralamerika und werden lediglich durch Mexiko zur nördlichen Grenze geschleust. Dieser Prozentsatz stellt eine drastische Verlagerung im Gegensatz zu den siebziger und achtziger Jahren dar, in denen der gewinnbringende und gigantische Markt in den USA als führend im Handel betrachtet und eine enorme Zahl von Papageien aus Mexiko dorthin geschmuggelt wurde.

Einer Studie der USFWS (1) zufolge war aber zwischen 1997 und 2003 Kanada inzwischen der Hauptzulieferer von wildlebenden Tieren in die USA, während Mexiko zu diesem Zeitpunkt schon einen hinteren Platz in der Rangliste der Zulieferer einnahm. Dies lag unter anderem daran, dass in den Vereinigten Staaten häufig die Annahme von Anlieferungen aus Mexiko verweigert wurde, da Mexiko mittlerweile strengen Verboten und Richtlinien hinsichtlich des Tierhandels unterlag. Inzwischen ist der Papageienhandel in Mexiko hauptsächlich zu einem nationalen Problem geworden, das Mexiko selbst zu lösen hat.

Das Scheitern der Fangregulierung

Seit 2003 wurden von den zuständigen Behörden in Mexiko keine Fanggenehmigungen für wildlebende Papageien ausgestellt, so dass alle seit 2003 gefangenen Tiere illegal aus ihren natürlichen Lebensräumen herausgerissen wurden. Vor 2003 gab es für wenige Arten Fanggenehmigungen, jedoch wurden die gesetzlichen Anforderungen, die eine nach Ansicht der Behörden vertretbare und legale Fangquote sichern sollten, nicht erfüllt. Diese Genehmigungen wurden stattdessen von den Papageienfängern missbraucht und gefälscht und so kamen auf jeden legal gefangenen Vogel etwa fünf illegal gefangene Tiere, die zum Teil sogar aus geschützten Gebieten stammten. Letztlich war es also nicht möglich mit Hilfe des legalisierten Papageienfangs den illegalen Handel zu stoppen, da die offiziellen Fanggenehmigungen lediglich als Deckmantel für illegale Aktivitäten dienten. Die notwendige Überwachung des Papageienfanges blieb aus. Die Fangaktivitäten in Mexiko zu überwachen ist Aufgabe des dortigen Ministeriums für Umwelt und Naturressourcen, jedoch stellte sich auf Grund einer Befragung von Papageienfängern heraus, dass diese noch nie von Beamten kontrolliert worden sind. Zudem wurde seit 2005 das Budget des mexikanischen Bundesamtes für Umweltschutz Profepa (2) seit 2005 um 7,5 % gekürzt, so dass es bisher unmöglich war, das für eine Überwachung nötige Personal einzustellen.

Abnehmende Papageienbestände

Die Populationsdichte der verschiedenen Arten in Mexiko nimmt stetig ab, was die Papageienfänger berichten und wissenschaftliche Forschungen beweisen. Der Fang von wildlebenden Papageien ist – ob nun legal oder illegal – grausam und brutal. Schätzungsweise 77 % der gefangenen Papageien sterben infolge der Fangmethoden oder beim Transport.
Doch für die zunehmende Ausrottung der Papageienpopulationen ist nicht nur die Anzahl der eingefangenen Papageien bedeutsam, sondern auch der Umstand, dass durch das Einfangen von Papageien, deren eventuell vorhandenen Nestlinge sterben oder Gelege verderben. Für die stetige Minderung verschiedener Populationen lassen sich in der Regel zwei Ursachen anführen: Der Verlust des natürlichen Lebensraumes der Populationen sowie die massiven illegalen Fangaktivitäten. Die Populationen einiger Papageienarten sind jedoch auch in Gebieten verschwunden, wo der natürliche Lebensraum noch intakt ist, so dass man in diesen Fällen davon ausgehen kann, dass dort die Papageien durch den Fang ausgerottet worden sind.

Vom Aussterben bedroht sind in Mexiko der ‚Hellrote Ara (ara macao)‘, CITES-Anh. I seit 1985, der ‚Kleine Soldatenara (ara militaris)‘, CITES-Anh. I seit 1987, sowie die ‚Gelbkopf-Amazone (amazona ochricephala oratrix)‘ CITES-Anh. I seit 2003.
Vom Aussterben bedroht sind außerdem die in Mexiko heimi- schen ‚Grünwangen-Amazonen (amazona viridigenalis)‘ und die ‚Blaukappen-Amazonen (amazona finschi)‘. Auch diese beiden Papageienarten sind seit 1997 bzw. 2005 im CITES-Anh. I gelistet.

Einige der Papageienfänger verkaufen die Papageien außerhalb ihrer eigenen Wohnumgebung an jeden möglichen Interessenten, andere wiederum verkaufen sie von Haus zu Haus oder an Menschen, die in ihren Autos oder in Bussen vorbeikommen. Der Verkauf auf eine spezielle Anfrage hin findet eher seltener statt.

Als Haustier sehr beliebt ist die in Mexiko heimische Gelbwangen-Amazone (Amazo- na autumnalis), gelistet im CITES-Anh. II.

Meist kaufen die Zwischenhändler die Tiere von verschiedenen Papageienfängern in einem Staat aber gelegentlich kommt es auch vor, dass sie ihren Bestand aus ver- schiedenen Saaten beziehen. Die Papa- geien werden gehortet bis genügend Tiere für einen Transport zu den Verkaufsorten zusammen gekommen sind. Die Händler sind meist skrupellos und gleichgültig im Bezug auf ihre Papageien- bestände, da für sie nur der finanzielle Gewinn beim Massen- verkauf der Tiere wichtig ist. Selbst eine hohe Sterblichkeitsrate der Vögel nehmen sie in Kauf, wenn der Verdienst am Ende gut ist.

Mit Nachzuchten die Wildfänge verringern – ein Irrtum

In Mexiko ist ein Anstieg sowohl der legalen als auch der illegalen Papageienimporte zu beobachten, insbesondere auch von Nach- zuchten. Die Arten, die sich am einfachsten züchten lassen sind gleichzeitig auch billiger, so dass sie zukünftig möglicherweise im Preis mit den einheimischen Wildfängen in Mexiko konkurrieren können. So hoffen die Behörden, dass die importierten Nach- zuchten die Nachfrage für einheimische Papageienarten und somit die Anzahl der Wildfänge in Zukunft vielleicht verringern können. In Mexiko selber sind Zuchtstationen eher rar und meist auf die Zucht der größeren und teureren Arten konzentriert. Diese Tiere sind somit für die Mehrheit der mexikanischen Bevölkerung viel zu kostspielig.
Dass diese Überlegungen jedoch nicht zutreffen, zeigen die Verhältnisse in den USA. Zuchtstationen in den USA produzieren von einigen Papageienarten ein Überangebot, sodass entsprechend für dies Papageienarten niedrigere Preise zu verzeichnen sind. Man könnte zu der Annahme kommen, dass das Angebot von Wild- fängen dort nicht mehr reizvoll sei. Doch dem ist nicht so, da die wildlebenden Papageien, die aus freier Natur in Mexiko gefangen werden, zur Zeit immer noch günstiger sind und die Mehrzahl der Bevölkerung möglichst den billigsten Papagei kaufen möchte. Dagegen züchten Züchter oftmals mit seltenen und entsprechend teuren Arten und sie setzen in Zucht selbst Wildfänge ein, um neues Blut in die Zucht zu bringen.
Dies alles führt letztlich dazu, dass das illegale Einfangen wild lebender Papageien in Mexiko und der Papageienschmuggel so- wohl innerhalb des Landes als auch über die Grenzen hinaus nicht zu stoppen ist.
Die Kontrolleure des mexikanischen Bundesamtes für Umwelt- schutz ‚Profepa‘ sind sich einig, dass ein völliges Fangverbot von wildlebenden Papageien ihre Arbeit wesentlich erleichtert würde und dass auf diese Weise auch die illegalen Handelsaktivitäten abnehmen würden. Unter Berücksichtigung des geringen Budgets, das der ‚Profepa‘ für den Schutz der Papageien vor dem illegalen Handel und für die Durchsetzung von Gesetzen zur Verfügung steht und der dort herrschenden personellen Engpässe wäre es vorteilhaft für alle gefährdeten Papageienarten, wenn Naturschutz- behörden ein absolutes Handelsverbot erteilen würden – zumindest solange bis das Überleben der Arten durch Erhaltungsprogramme gesichert ist. Es wäre wichtig, das Budget dieser Einrichtung zu erhöhen und die unabhängige Prüfung und Überwachung von Genehmigungsverfahren hinsichtlich der Verwendung wildlebender Arten zu ermöglichen. Ebenso sollte die ‚Profepa‘ die Verant- wortung für Auffangstationen übernehmen, um eine gewisse Transparenz in der Behandlung von beschlagnahmten Arten während des kompletten Vorganges von der Sicherstellung bis zum endgültigen Verbleib, zu gewährleisten.

Ungewisse Zukunft für Mexikos Papageien

Papageien sind Ikonen der mexikanischen Kultur und verdienen somit alle Anstrengungen und Unterstützung zur Sicherung ihres Überlebens. Ebenso sollte Unterstützung aus den USA mit dazu beitragen, wenn man bedenkt, dass sich die enorme Nachfrage nach wildlebenden Papageien von Käufern aus den USA, insbe- sondere in den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahr- hunderts, sehr schädlich auf die Entwicklung der Arten ausgewirkt hat.
Jedoch ist es fraglich, ob ein gemeinsames Aufklärungsprogramm von zwei Nationen realisiert werden kann, um die mexikanische und amerikanische Bevölkerung davon zu überzeugen wie wichtig es ist, die Nachfrage nach Wildfängen für die Haustierhaltung zu stoppen. Es muss ihnen bewusst gemacht werden, dass diese Art von Handel einen sicheren Weg darstellt, die wertvollen in Mexiko heimischen Papageien auszurotten. Kein Erhaltungsprogramm wird ohne die Mithilfe der Bevölkerung erfolgreich sein können. Erst wenn genug Menschen zu der Überzeugung gelangen, dass diese Spezies Schutz braucht, werden sie Landesbehörden, akade- mischen Einrichtungen, lokalen Gemeinschaften und nicht profit- orientierten Organisationen helfen können, dieses Ziel zu errei- chen.

Anke Tholl | 02.02.2008
(1) USFWS = United States Fish and Wildlife Service.Der USFWS ist eine dem US-Innenministerium unterstellte Behörde, deren Aufgabe die Erhaltung der Natur und ihrer Artenvielfalt in den USA ist.
(2) PROFEPA = Federal Attorney Office for the Protection of the Environment. Die Profepa ist eine bundesstaatliche bevollmächtigte Behörde für Umweltschutz in Mexiko.
Quelle: Defenders of Wildlife, The illegal parrot trade in Mexico – A comprehensive assessment, Januar 2007

 

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