Papageienschutz aktuell-Beiträge

Internet-Zeitung des Papageienschutz-Centrums Bremen e. V.

Tierquälerei der besonderen Art

Um sich auch im Freien mit seinem Papagei schmücken zu können, ohne befürchten zu müssen, dass er wegfliegt, bieten Zooge- schäfte ein äußerst brutales Mittel an: Geschirr und Leine für Papageien. Nach Auffassung des Papageienschutz-Centrums Bremen e.V. verstößt die Anleinung von Papageien, vergleichbar mit ihrer Ankettung, sowohl gegen das Tierschutzgesetz als auch gegen die gel- tenden Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien. Wer von angeleinten Papageien weiß, sollte nicht zögern, die zustän- digen Behörden zu informieren !
Anleinen von Papageien ist tierschutzwidrig
Stellungnahme des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Er- nährung und Landwirtschaft

Das Papageienschutz-Centrum Bremen e.V. hat in einer schrift- lichen Anfrage an das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft um eine tierschutzrechtliche Bewer- tung des Anleinens von Papageien gebeten.
Durch die Antwort des Ministeriums vom 23.10.2001, vertreten durch Frau Dr. Schwabenbauer, sieht sich das Papageienschutz-Centrum Bremen e.V. in seiner kritischen Position bestätigt.
Frau Dr. Schwabenbauer schreibt: „Vorbehaltlich der Entscheidung der zuständigen Behörden und Gerichte bin ich der Auffassung, dass das Anleinen von Papageien aus Tierschutzgründen abzuleh- nen ist.“
Nach Auffassung des Ministeriums verstößt das Anleinen von Papa- geien also gegen das Tierschutzgesetz. Letztlich müssen jedoch die zuständigen Behörden und Gerichte in jedem Einzelfall ent- scheiden, ob ein Papageienhalter/ eine Papageienhalterin mit dem Anleinen eines Papageis gegen das Tierschutzgesetz verstößt. Zu hoffen ist, dass Behörden und Gerichte in ihren Entscheidungen der ministeriellen Auffassung im Wesentlichen folgen werden.
Im Hinblick auf das Anbieten von Papageiengeschirr im Zoohandel stellt Frau Dr. Schwabenbauer fest: „Gleichwohl kann aber das An- bieten von Geschirr und Leinen für Papageien nicht aufgrund des Tierschutzgesetzes verboten werden.“
Angesichts dieser Rechtslage sollte der Zoohandel Verantwor- tungsbewusstsein zeigen und Papageiengeschirr und –leinen aus dem Angebot nehmen. Er würde auf diese Weise nicht nur zahl- reiche Papageien vor unnötigen Quälereien, sondern auch seine papageienhaltende Kundschaft vor möglichen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz schützen. Das Papageienschutz-Centrum Bremen e.V. wird in dieser Angelegenheit den Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands e.V. (ZZF) bitten, seine Mitglieder auf- zufordern, auf das Anbieten von Papageiengeschirr und Papagei- enleinen zu verzichten.

Die Werbung für Papageiengeschirr macht deutlich, warum Papageien an die Leine gelegt werden sollen: Nicht zum Wohle der Tiere, sondern zum Vergnügen ihrer Halter/-innen. Verant- wortungsbewußte und mitfühlende Papageienhalter/-innen er- sparen ihren Tieren die gewaltsame Prozedur des Anleinens!
Erschreckend:
Papageienhalter wollen Geschirr für ihre Tiere !

Weniger erfreulich als die Stellungnahme seitens des Bundes- ministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung u. Landwirtschaft waren die e-mails, die das Papageienschutz-Centrum Bremen e.V. von einigen Papageienhaltern zum Thema ‚Papageiengeschirr’ erhielt. In zum Teil aggressiver Weise verteidigten sie das Anlei- nen von Papageien gegen die Kritik, die in dem Artikel ‚Tierquä- lerei der besonderen Art’ geäußert wurde. Ihre Haltung begründen sie im wesentlichen damit, dass es für viele Papageienhalter/ -innen die einzige Möglichkeit sei, ihren Vogel ‚mit in den Garten oder nach draußen zu nehmen’, um ihm Sonnenlicht und frische Luft zukommen zu lassen.

Zweifellos brauchen Papageien Sonnenlicht und frische Luft und zweifellos ist richtig, Papageien mit in den Garten zu nehmen, um ihnen beides zukommen zu lassen. Eine Berechtigung, die Tiere deshalb anzuleinen, ergibt sich daraus jedoch nicht. Noch im klein- sten Garten wird sich Platz für eine Voliere finden lassen, in der Papageien einen ‚Gartenausflug’ genießen können. Und selbst wenn eine solche Voliere auch das Fliegen nicht zulässt, so bietet sie Papageien doch immer noch einen stressfreieren Garten- aufenthalt als sie ihn mit Geschirr und Leine haben.

In den letzten Monaten ist in verschiedenen Internet-Vogelforen über das Anleinen von Papageien diskutiert worden – leider weit- gehend sehr unkritisch. Das Anliegen der meisten Teilnehmer/ -innen war es, sich darüber auszutauschen, wie und mit welchen Tricks die Papageien am schnellsten an das Geschirr zu gewöhnen sind. Beraten wurde, ob es nicht sinnvoller sei, das Geschirr selbst herzustellen – entsprechende Anleitungen sind im Internet zu finden – oder ein Kaninchengeschirr(!) zu verwenden, weil es eine längere Leine habe.
Welchen Gefahren angeleinte Papageien ausgesetzt sind, wurde kaum erörtert, zum Beispiel, wenn sich die Leine – aus welchen Gründen auch immer – aus ihrer Verankerung löst, der Papagei mitsamt Leine davon fliegt und sich im nächsten Baum ‚verheddert’ oder der Papagei aufgrund irgendeiner Irritation zum Fliegen an- hebt und von der Leine abrupt zu Boden gerissen wird. Auch der enorme Stress, der einem Papagei zugemutet wird, wenn versucht wird, ihm das Geschirr anzulegen, blieb unerwähnt.
Die Diskussionsbeiträge haben eines aber deutlich werden lassen: Nur wenige Papageien lassen sich Geschirr anlegen. Selbst sehr zahme Tiere verweigern sich dieser Prozedur. Wer seine Papa- geien also mag, sollte diese instinktive Abwehrreaktion gegen Lei- ne und Geschirr respektieren.

H.H.Braune | 30.10.2001
(Die Artikel ‚Tierquälerei der besonderen Art‘ erschienen erstmals im ‚Freiflug’, Nr. 2/2001, die Artikel ‚Anleinen von Papageien ist tierschutzwidrig‘ und ‚Erschreckend: Papageienhalter wollen Ge- schirr für ihre Tiere!‘ erschienen erstmals im ‚Freiflug’, Nr. 3/2001)

 

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